The quiet man

Der Wind lässt über Nacht nach und wir können ungestört schlafen.

Um Ute‘s Zeh auf weitere Wandereignung zu testen, haben wir eine kurze Wanderung bei Cong herausgesucht.

Die Fahrt dorthin führt vorbei am Kylemore Abbey an dem wir schon oft vorbeigefahren sind, aber nie anhielten.

Auch heute reicht es nur für ein schnelles Foto von der Straße aus. Weiter geht unsere Fahrt durch idyllische aber fahrtechnisch spannende Sträßchen.

Wir passieren ein etwas widersprüchliches Schild.

Was denn jetzt?

Die Straße wirkt sehr privat, man hat den Eindruck man fährt durch Irlands Hintergärten.

Als der Straßenbelag von Asphalt auf Rollsplit wechselt, äußern wir beide unsere Zweifel ob wir noch richtig sind laut.

Wenige hundert Meter später biegen wir wieder auf eine Hauptstraße ein und sind erleichtert. Offenbar sind wir doch nicht falsch.

Als wir dasselbe Örtchen von vor der ungewöhnlich schmalen Straße erneut passieren, wird uns klar, dass wir wohl irgendwo falsch abgebogen sind und dadurch unerkannt einen Kreis gefahren sind. Das erklärt auch das merkwürdig schmale Sträßchen, dass uns zurück auf die Route brachte.

Der nächste Picknickplatz soll unser Mittagsstopp werden, aber der Parkplatz sieht voll aus. Offenbar macht hier eine Entenrallye Halt. Zum Glück ist ganz am Ende noch ein Platz für uns frei.

Nachdem die Enten alle weitergetuckert sind (eine musste mit Bremsenreiniger zur Weiterfahrt überredet werden) frühstücken wir an einem der größten Seen Irlands.

Die Ananas die wir kauften, weil wir dem „Wähle 3 Packungen für nur 10€“ Super Sparangebot nicht wiederstehen konnten schmeckt schon etwas britzelig und wir hoffen dass wir nach dem Genuss noch fahrtauglich sind.

Unsere Wanderung startet an den Ruinen von Cong Abbey.

Ziemlich bald erfahren wir, dass hier im Ort ein Hollywood Klassiker von 1952 gedreht wurde: The quiet Man mit John Wayne.

Das erklärt warum hier jeder Laden irgendwie Bezug darauf nimmt. Den Film müssen wir uns wohl mal zu Gemüte führen.

Für uns geht es durch die Reste des Refektoriums

und an der Fischerhütte der Mönche vorbei

über den Fluss in den Wald.

Die Gegend ist offenbar auf Kalkstein gewachsen und es gibt unterirdische Flüsse die zwischen den Loughs Verbindungen schaffen. Im Wald von Cong gibt es einige Zugänge zu dem Höhlensystem. Da schaue ich natürlich mal rein. Leider ist die Lampe im Handy nicht wirklich geeignet für tiefere Inspektionen.

Die Runde führt als Nächstes zu einem Aussichtsturm dessen Erbauer einen bekannten Namen trägt.

Leider wird man nach dem Aufstieg nicht mit einer schönen Aussicht belohnt. Zum einen weil der Wald drumherum höher gewachsen ist als der Turm und zum anderen wurde oben ein Zaun aufgestellt, um zu verhindern dass irgendein Depp runterfällt weil er nicht lernen durfte wo es gefährlich wird.

Hätte schön sein können

Wir steigen wieder ab und stehen vor einem Chaos aus umgestürzten Bäumen die niemand aufgeräumt hat. Verschiedene Trampelpfade führen mehr oder weniger in die richtige Richtung, enden aber teilweise im Dornengestrüpp oder im Chaos umgestürzter Bäume. Bis wir den richtigen Pfad finden sammeln wir einige Kratzer ein.

Wir sind gerade wieder auf dem richtigen Pfad, da verwehrt uns ein Schild den Zutritt. Only for Residents heißt es. Aus der bisherigen Erfahrung lassen wir uns davon nicht aufhalten und folgen dem Weg am Fluss lang.

Aus den Bäumen taucht ein schlossartiges Anwesen auf und ein Herr in sehr formeller Kleidung weist uns freundlich aber bestimmt darauf hin, dass es für uns hier nicht weitergeht.

Wir dürfen noch dem Weg noch weiter folgen und das Gelände dann über die Brücke verlassen. Wir sind offenbar in einem Luxus Golfresort mit eigenem Schlosshotel gelandet und die feine Gesellschaft möchte lieber unter sich bleiben.

Unser Rother von 2016 ist offensichtlich nicht mehr ganz aktuell, dort hatte es noch geheißen, dass manchmal für die Passage Eintritt verlangt wird, das hat man heute offenbar nicht mehr nötig.

Wir laufen zurück zum Ort und trinken erstmal was im nächsten Pub. Dann machen wir uns auf und gehen die Wanderung von hinten an. Der Pigeonhole Loop ist noch zugänglich und führt zunächst durch einen Tunnel

durch den Eichenwald zu einer etwas größeren Höhle – dem Pigeonhole.

Über eine steile speckig getretene Kalksteintreppe geht es hinab. Das Geländer ist mehrfach in den Weg gebogen und soll wohl verhindern, dass man ganz bis Unten durchpoltert, wenn man ausrutscht – spannende Technik.

Zurück am Tageslicht geht der Loop nicht im Kreis sondern parallel zum Hinweg wieder zurück. Wenn es kaum öffentliches Land gibt, dann ist das für Wanderungen im Landesinneren recht problematisch. Das ist eine der unsympathischeren Seiten von Irland.

Ein sehr zutrauliches Rotkehlchen versperrt uns den Weg und verlangt Wegezoll. Zum Glück haben wir etwas Futter dabei, das es sogar aus der Hand nimmt und uns dann passieren lässt.

Wir kehren für‘s Abendessen nochmal in Cong in einen Pub ein und nehmen uns für morgen eine größere Wanderung vor, der Zeh hat sich ganz gut geschlagen.

Für die Nacht finden wir ein einigermaßen ebenes Plätzchen mit Aussicht auf halbem Weg zum Startpunkt morgen. Der einzige Haken: Kein Internet.

Der Vorteil: Wir können das vermaledeite Smartphone endlich mal zur Seite legen und sind für einen Abend und eine Nacht völlig ungestört.

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