Lough Nadirkmore

Um 5:20 werden wir von Schafen geweckt, die um den Bus schleichen und sich an ihm schubbern. Wir verscheuchen die allzu aufdringlichen Besucher und legen uns nochmal hin.

Auf Schafe als Wecker ist Verlass. Gegen 8 blökt direkt neben dem Bus ein Schaf bis wir endlich aufstehen. Wir haben uns nach dem erfolgreichen Testlauf für Ute‘s Zeh gestern, für heute eine längere Tour aus dem Rother rausgesucht, für die wir uns mit einem Frühstück vor Traumkulisse stärken.

Wir parken zum Start der Tour um und machen uns auf die Socken. Erstes Highlight: Ein Haufen Wolle am Wegesrand. Die Wecker mussten Haare lassen.

Der Weg führt uns in eine Bergarena aus der ein recht sparsames Flüsschen fließt.

In Irland ist es schon seit Wochen trocken gewesen und wir haben ungewöhnlich gutes Wetter erwischt. Gestern trafen wir an unserem Standplatz einen Motorradfahrer, der die Aussicht genoss und uns zu unserer sehr guten Zeitwahl für Irland gratulierte. Das Wetter sei sonst nie so hier. Was soll ich sagen, mit Irland und Wales hatten wir bisher immer unverschämtes Glück 🍀

Vor uns präsentiert sich unsere Spielwiese für heute. Rechts rauf und einmal das Hufeisen rum, links wieder runter. Ich laufe los.

Schnell werde ich von hinten eingebremst, wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht. Das stimmt so nicht ganz, drei Franzosen haben die Verfolgung aufgenommen, und laufen in dieser menschenleeren Ecke ausgerechnet zur selben Zeit am selben Tag die selbe Tour und sitzen uns jetzt im Nacken.

Den guten Weg verlassen wir bald nach links, jetzt geht es weglos weiter. Der Rother empfahl gute Orientierung in weglosem Gelänge und Lesekompetenz von bergigem Gelände. Zum Glück scheint die Sonne, was beim Lesen von bergigem Gelände ungemein hilft. Wir kommen also gut voran und sammeln erste Höhenmeter was den Blick zurück auf die Loughrige Gegend hinter uns freigibt. 640 davon werden noch folgen.

Schnell kommt auch der namensgebende Karsee in Sicht, um den wir heute auf ca. 500m Höhe herumlaufen werden.

Lough Nardikmore

Endlich auf dem Kamm angekommen sieht es fast so aus als hätten wir die Franzosen abgehängt, aber kurz darauf sehen wir sie wieder hinter uns den Berg erklimmen.

Mit Stöcken ausgerüstet können weder angeschlagene Zehen noch Leistenbruchbeschwerden Ute aufhalten.

Wir weichen noch kurz vom Weg ab für einen Cache und dann sind wir oben auf dem höchsten Punkt der Runde angekommen.

Es gibt sogar einen weiteren Karsee auf der Außenseite unseres Hufeisens den wir durch den Abstecher zu sehen bekommen.

Dirkbeg Loch

In der Mitte der Tour liegt uns das Kar mit gleich zwei Seen zu Füßen.

Hinten rechts das Lough Nambrackkeagh

Bevor es an den Abstieg geht, machen wir ein kleines Päuschen und Ute übt sich noch im Selfiemachen.

Der Abstieg geht durch eine Rinne, die Ute spontan dazu verleitet noch etwas tiefer in die Kiste mit Schimpfwörtern zur Beschreibung des Abstiegs zu greifen als sonst. Ich bin etwas schockiert wo das herkam, aber „nützt ja Nix“ wir müssen da runter.

Zum Glück gibt es immer wieder schöne Strukturen die von dem bösen Gelände ablenken.

Immerhin sitzen uns die Franzosen nicht mehr im Nacken, die offenbar viel langsamer sind, oder doch einen anderen Weg gewählt haben.

Immerhin kommen wir dank der Trockenheit heute ohne Gummistiefel aus, die der Rother zwingend vorgegeben hatte. Das Ganze, sonst sehr feuchte Gelände ist größtenteils knochentrocken. Nur unsere Rinne führt natürlich etwas Wasser.

Mit unseren phänomenalen Kenntnissen im Lesen von Gelände umschiffen wir das natürlich und kommen unversehrt unten an. Nur die Ohren muss ich mir wohl dringend mit Seife auswaschen.

Blick zurück

Es folgen noch ein paar Kilometer Rückweg an der Straße, die wir nutzen um von der Wanderung zu schwärmen.

Da es noch nicht so spät ist fahren wir für eine kleine Tea Time mit Scones und weiterer Planung nochmal zurück zu unserem Übernachtungsplatz.

Der nächste Halt liegt am größten See Irlands durch den der Shannon fließt.

Ein Quai am Ende einer langen und kurvigen Straße ist unser Domizil für heute Nacht, und morgen werden wir etwas paddeln. Zum Abendessen gibt‘s das Fußball WM Finale, das sich viel zu lange hinzieht. Erst kurz vor knapp mit Fußball anzufangen ist wohl keine gute Taktik.

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