Tanz auf dem Vulkan
Für heute ist der Vesuv das Ziel. Nachdem wir das gestern von unten bestaunt haben, soll die Naturgewalt jetzt auch von oben erlebt werden.
Für eine Tour in Eigenregie waren wir zu langsam bzw. zu spontan – kurz vorher bekommt man keine Tickets mehr. Man hätte auf Verdacht da hochgehen können um zu hoffen über ein wackeliges WLAN eines von 10 Last Minute Online Tickets zu ergattern, aber davon wird abgeraten. Wir buchten also eine Bustour. Zum vierfachen Preis werden wir mit einem Aufkleber mit Abfahrtszeit markiert und durch eine zerklüftete und andersartige Landschaft bis direkt vor den Einlass gefahren.

Wir kommen mal wieder an der Schlange vorbei und haben dann den Aufstieg zum Krater vor uns. 20-40 Minuten soll das dauern, wir peilen eher die 20 Minuten Marke an.
Oben kann man in den Krater blicken, eine Fumarole bestaunen, die Aussicht auf den Golf von Neapel genießen und natürlich Souveniers kaufen.

Viel mehr als ein Loch ist das allerdings nicht. Keine Lava, kein Schwefelgeruch, der Vulkan gibt sich sehr friedlich. Einzig die sanft vor sich hin rauchende Stelle ist ein Hinweis das hier noch nicht alles erloschen ist.

Der Golf von Neapel liegt leider unter etwas Dunst aber ist ganz nett anzuschauen.

Die dreiste Kopie des berühmten BaWü Aufklebers fasst es ganz gut zusammen.

Wir versuchen noch die Ruinen von Pompeii von hier zu erkennen, scheitern dabei aber leider trotz Fernglas. Dann ist es auch schon wieder Zeit zum Bus zurückzukehren. Nicht dass die uns hier vergessen.

Am Bus erfahren wir von den leicht gestressten Mitarbeitern dass wir uns den worst case Tag für den Vesuv ausgesucht haben. In Italien geht man an Ostermontag gerne mit der Familie in die Berge. Das Problem: die meisten hier kennen nur einen Berg. Richtig – den Vesuv. Ergo sind alle hier und die Busse sind ausgebucht. Eine nicht enden wollende Karawane an Bussen quält sich den Berg herauf und herunter. Wir hatten Glück dass wir den ersten Bus gebucht haben. Bergab fahren wir an mehreren Busstaus vor den engen Serpentinen vorbei.
So richtig umgehauen hat uns der Ausflug nicht. Ohne eigene Anstrengung und mit so vielen anderen ist es zwar interessant, lehrreich und mit schöner Aussicht, aber kein prägendes Erlebnis. Been there, done that. Haken dran.
Ohne das Wissen auf was man da gerade herumgelaufen ist und welche Naturgewalt darunter schlummert erscheint der Vesuv wie ein harmloser Berg ganz so wie jeder andere und genau so wie er den Einwohnern vom Pompeii erschien, bis es zu spät war. Beeindrucken kann er nur die Wissenden die die Zeichen zu lesen wissen oder sich von Plinius dem Jüngeren davon berichten ließen und ihm glaubten.
Zurück in Pompeii gibts erstmal Vesper am großen Platz vor der Kirche und Leute gucken. Die Mode ist in Italien definitiv eine andere. Die Bandbreite ist größer und auch nach einer halben Stunde gibt es keine Doppelgänger.

So eine Pause in der Stadt ist natürlich nicht komplett ohne Gelati 😋 Das gibt es als Dessert und dann überlegen wir was wir noch machen.

Ute will an‘s Meer und übernimmt die Führung.

Ich zweifele anhand der immer unschöner werdenden Aussichten daran dass das lohnenswert wird und erwarte jeden Moment ein abgewracktes öliges Hafenbecken.

Ute folgt unbeirrt ihrem Navi.

Noch einmal links abbiegen, dann zeigt sich rechts eine Werft. Ich sehe meine Befürchtungen schon bestätigt. Der Müll am Straßenrand wird auch nicht weniger.

Aber Ute schreitet voran, irgendwo hier muss das Meer sein.

Wir überklettern eine marode Betonabsperrung und siehe da: das Meer!

Dazu schwarzer Sand, der von der Katastrophe im Jahr 79 zeugt. Es handelt sich um die erodierten Überreste des Vulkanausbruchs.

Wir genießen die Aussicht und den warmen Sand und nehmen noch ein erfrischendes Fußbad im Tyrrhenischen Meer bevor es zurück zum Campingplatz geht.

Ich frage Ute wie sie das hier gefunden hat. Ganz einfach, da war ein Wandersymbol an der Küste, da muss ja ein Wanderweg hinführen. 🤪
Ganz in der Nähe finden wir noch diese zurückliegenden Kirche. Inschrift: Quis it Deus. Wer ist wie Gott?

Ich sage es mal so: Diesen schönen schwarzen Sandstrand mitten im Industriegebiet zu finden wäre schonmal ein notwendiges – wenn auch kein hinreichendes Kriterium.
Zurück am Camping parken wir den Bus um, ein Platz mit etwas mehr Abstand von der Straße war frei und wir griffen zu. Dafür stehen wir jetzt näher an der Bahnlinie. Mal sehen ob das ein guter Tausch war…
