Wasser im Gesicht

Mit ein Grund einer kurzen weiten Reise bis nach Pompeii zuzustimmen war die Aussicht auf dem Rückweg im Tessin zu stoppen und mit Ute einen Canyon zu gehen. Heute ist es endlich so weit. Direkt vom Campingplatz laufen wir los.

Bevor man sich in‘s kühle Nass stürzen kann, muss man zu dieser Jahreszeit erstmal den Körper vorwärmen. Praktisch dass die Canyon Einstiege oben am Berg sind.

Über viele und vor allem laaaaaange Treppen geht es aufwärts.

Nach einer halben Stunde ist der körperlich anstrengendste Teil für heute erledigt. Aussicht genießen…

… und noch ein paar Meter weiter hoch bis zum Einstieg.

Das Neopren sorgt dafür dass die mühsam erarbeitet Wärme erhalten bleibt und so gerüstet stürzen wir uns in‘s Abenteuer. Der erste Abseiler ist schnell überwunden und der erste Wasserkontakt hergestellt. Im Tessin gibt es gerne mal etwas mehr Wasser und das dann auch vorzugsweise aus allen Richtungen. Dabei ist es im Erstkontakt nicht ganz einfach die Ruhe zu bewahren. Der erste am Seil findet meist heraus welche Route nach unten nicht die optimale ist. Diese Aufgabe fällt heute Ute zu. Sie schlägt sich sehr gut und bekommt Wasser aus allen Richtungen ab.

Stück für Stück folgen wir dem Wasser bergab. Immer neue Wasserfälle erschaffen immer neue Winkel aus denen man Wasser abbekommen kann.

Am Anfang der Canyoning Karriere sammelt man Erfahrungen, deren stellenweise unbequeme Eigenschaften dann Motivation liefern es beim nächsten Versuch besser zu machen.

Von Oben einen Plan machen und dann unterwegs feststellen dass es so nicht funktioniert ist eine sehr häufige Erfahrung. Und dann gibt es Wasser in‘s Gesicht, Wasser in die Ohren und überhaupt Wasser aus allem Richtungen. Dabei ruhig und methodisch weiterzumachen und sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen ist anstrengend.

Weisswasser von überall und es gibt kein aussenrum. Da muss man dann durch. Ute schlägt sich hervorragend.

Immer mal wieder gibt es Gehpassagen in denen man die fast schon tropische Vegetation bestaunen kann. Palmen im Canyon gibt es nicht an jeder Ecke.

Wenn mal wieder ganze Bäume in der Schlucht gelandet sind, dann kann das den ein oder anderen Abseiler schonmal verkomplizieren. Auch hier macht Ute eine tolle Figur.

Im letzten Drittel der Tour sind die mentalen Kräfte erschöpft. Für eine erste Tour als Seilerste mit viel Wasser aus allen Richtungen ist das eine stramme Leistung. Wir haben hier die Möglichkeit auszusteigen und tun das. Ein paar Meter Wanderweg bergab, und noch 1,6km zum Campingplatz, dann warten Dusche, Sieger – Secco, Kaffee und die leckeren Törtchen aus Italien.

Material zum Trocknen aufhängen und das Erlebte reflektieren beanspruchen den Rest der Zeit bis zum Abendessen. Es gibt die letzten Leckereien aus Italien. Speck, Bresaola und Gorgonzola, dazu ein Salat – herrlich.

Ein kleiner Verdauungsspaziergang muss aber noch drin sein. Hinter dem Campingplatz ist der Fiume Ticino, den schauen wir uns mal an.

Ein Stück nach Rechts gibts eine Eisenbahnbrücke unter der man hergehen kann. Da zu stehen wenn ein Zug drüber donnert ist beeindruckend. Man weiß das da nix passieren kann, aber wir zucken trotzdem gehörig zusammen als der Zug über unsere Köpfe donnert. Sehr beeindruckend, wann hat man schonmal die Gelegenheit zu erleben dass ein Zug mit voller Geschwindigkeit nur sehr knapp über einen hinwegdonnert?

Nach der Bahnbrücke geht‘s zurück über einen Steinweg Richtung Campingplatz, nach allem was wir in Pompeii gelernt haben könnte das sogar noch römisch sein. In jedem Fall sieht er aus wie für die Ewigkeit angelegt.

Um zu unserem Bus zu kommen, müssen wir noch einmal den Fluss queren. Ute hat genug Wasser für heute abbekommen und so geht es huckepack über den Bach😎

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