Fringe

Der Platz mit der tollen Aussicht hat einen Nachteil. Er ist voll. Irgendwo nebenan hört noch jemand Musik und lässt dazu den Motor laufen, vermutlich um die Batterien zu laden.

So gegen 11 ist dann aber endlich Ruhe und wir können ausschlafen.

Der Morgen hält Nebel bereit. Kaffee mit Blick auf‘s Meer fällt aus. wir lassen es langsam angehen, vor 13 Uhr können wir nicht auf den gebuchten Campingplatz und um hinzukommen sind es nur 20 Minuten Fahrt.

Während wir den Kaffee schlürfen, schaue ich gespannt zu wie die Nachbarn ihr Dachzelt zusammenklappen. Wie das statisch funktioniert und wie das mit der Dachlast passt, ist mir schleierhaft. Aber irgendwie funktioniert es. Weder Zelt noch Auto brechen zusammen, und der Hund hat auch oben Platz.

Wir packen zusammen und fahren nochmal zum Kletterfelsen am Law. Ich hatte gestern eine Idee für ein Foto. Das Klettertraining hat sich dermaßen gelohnt, dass ich auf den Vorschlag hin keinen Vogel gezeigt bekomme sondern ungläubig ein „Ja, könnte gut aussehen“ höre.

Die Ledersohle leidet etwas, aber sonst einwandfrei😎 Macht sich definitiv besser am Fels als im Regal.

Die Zeit am Fels vergeht wie im Fluge und es ist Zeit aufzubrechen. Nach 20 Minuten sind wir am Campingplatz und checken ein.

Eigentlich wollten wir erstmal was essen, aber die Dusche ist dann doch wichtiger. Darauf mussten wir seit Dienstag verzichten.

Frisch geduscht machen wir eine kulinarische Entdeckung. Der Cranberry/Blueberry Crumble Cheese auf Sesambagel ist der Hammer. Die englische Küche ist unterschätzt.

Beim Einchecken erfuhren wir übrigens den Grund warum hier so viel los ist und es so schwer war im Großraum Edinburgh einen Camping- oder Stellplatz zu bekommen: In Edinburgh findet gerade das Fringe Festival statt. Den kompletten August durch wird die ganze Stadt zur Kunstbühne, Fressmeile und Kneipe und bietet unzählige Auftritte namenhafter Künstler. Die Einwohnerzahl ist diesen Monat verdoppelt und die Mieten vervierfacht. Jo, hätte man wissen können😬

Wir nehmen den Bus in die Innenstadt. Doppeldecker, oben, erste Reihe. Perfekt.

Im Doppeldecker nach Edinburgh

Ich Google mal was an Auftritten so geboten wird und finde C!rca. Die Compagnie kenne und schätze ich. Cool dass die da sind. Und der Hammer: In 2h ist Vorstellung und es gibt noch Karten. Ich schlage direkt zu.

Als der Bus ankommt, haben wir noch eine gute Stunde bis zur Vorstellung. Wir laufen direkt zum Spielort in einem Park mitten in Edinburgh. Es fängt an zu regnen. 20 Grad. Etwas Blitz und Donner. Für Schotten ist das Hochsommer und fast unerträglich heiß. Entsprechend sieht man T-Shirts, kurze Hosen und Kleider. Wegen dem bisschen Regen macht kaum einer einen Schirm auf. In Dortmund wäre die komplette Innenstadt schwarz mit Schirmen.

Einer von sehr vielen Spielorten

Wir warten bis zum Einlass im Bar Zelt. Es gibt Blue Moon Bier vom Fass. Ich bin begeistert. Das habe ich auf einer denkwürdigen Testfahrt in den USA kennengelernt.

Blue Moon

Das Bier macht hungrig, und natürlich gibt es auch einen Streetfoodwagen in der Nähe. Pulled Beef Chili 🌶. Lecker, aber für Ute zu scharf. Mehr für mich😋

Die Vorstellung ‚Humans 2.0‘ darf leider nicht fotografiert werden, ist aber klasse. Wer Tanz, Contemporary und Artistik mag, ist hier richtig. Was die Truppe drauf hat ist der Wahnsinn.

Kleine Auswahl

Nach der Vorstellung ziehen wir durch die Stadt. Überall gibt es was zu Futtern und Trinken und an jeder Ecke Vorstellungen und Einlassschlangen. Tolle Stimmung. Wir probieren das Kanadische Nationalgericht „Poutine“, was auf Pommes mit fettiger Sauce und Fleischgarnierung an Meerrettichcreme hinausläuft. Nicht 100% Ute‘s Fall, mehr für mich 😋

So langsam bekommen wir den Eindruck dass Fritten mit irgendwas drauf hier essenziell ist. An jeder Bude gibt es mindestens Fritten als Extra. Für uns erstmal wieder ein Blue Moon. Ute ernährt sich bis hierher hauptsächlich flüssig.

Am Crepestand wird Ute dann aber fündig. Crêpe mit Basilikum, Tomate und Mozzarella. Fritten hätte es auch dazu gegeben, wir lehnen ab. Für mich gibt es einen Crêpe mit belgischer Schoki. Sie meinen es gut mit mir und packen fast eine ganze Tafel rein. Ich platze fast. Wir bummeln noch durch die pulsierende Stadt und sammeln schonmal ein paar Eindrücke für den morgigen Tag. Der ist komplett für Edinburgh vorgesehen.

Einlasschlangen überall
Festung über der Stadt

Zu Studentenzeiten hatte ich mal Experimente mit Schokoriegeln und heissem Fett angestellt. Snickers frittiert im Blätterteig hat sich nicht durchgesetzt, aber wir waren verdammt nah dran und unserer Zeit um Jahrzehnte voraus. An jeder Ecke sehe ich jetzt das hier:

So gegen 22:00 wollen wir zurück, wissen nur nicht mehr wo wir ausgestiegen waren, wir mussten ja pünktlich zu Vorstellung im richtigen Stadtpark sein. So irren wir erstmal durch die nächtliche Stadt. Google hilft, und wir stellen mal wieder fest: ohne Handy wären wir aufgeschmissen.

Die Stadt scheint mehrere Ebenen zu haben, und das Wechseln dazwischen ist nicht immer einfach. Wir finden trotz gesperrter Brücke doch noch unsere Haltestelle.

45 Minuten später stehen wir an der Haltestelle am Campingplatz. Der Weg zurück ist stockdunkel, neblig und unbeleuchtet. Die Taschenlampenfunktion am Handy rettet uns. Ohne das wären wir mal wieder aufgeschmissen gewesen.

The Law

Der Hügel, der über dem Ort thront und oft im Nebel verschwindet, heißt hier „The Law“. Law ist ein altes Wort für einen runden kegelförmigen Berg und der Berg ist ein von Gletschern geschliffener ehemaliger Vulkanpfropfen, weiß die Infotafel. Der Übersetzer wusste das nicht. Gut dass es Infotafeln gibt.

Wir laufen da jetzt mal rauf. Da der Dicke unseren Platz für die Nacht freihält, müssen wir zu Fuß los.

Lady Ute auf dem Lady‘s Path

Der Weg zum Law führt über den Lady‘s Path und leider nicht durch den nächsten Pub wie ich Ute unglücklicherweise beibringen muss.

Es gibt zwar kein Ale, aber schön ist er trotzdem.

The Law

Kaum sind wir aus der grünen Hölle des Lady’s Path entkommen, thront The Law vor uns. Nachdem der Gletscher dran genagt hat, ist nur noch der harte Kern übrig und da gehen wir dann mal rauf.

Die Flanke des Pfropfens

Die Bäume am Hang sehen irgendwie nach Afrika aus, würde hier ein Elefant grasen, es würde mich nicht überraschen.

Schottische Savanne

Recht schnell gewinnen wir Höhe und können den Blick über die Gegend genießen. Gut, der Pfropfen ist jetzt nicht der Everest, aber 187m sind es schon.

Zwischenziel auf halber Höhe

Oben gibt es endlich mal eine Ruine mit freiem Eintritt und der Möglichkeit auch reinzugehen. Wir kosten das aus. Fotoshooting muss sein.

Die Komfortzone ist offensichtlich deutlich größer geworden 😎

Oben auf dem Gipfel steht seit 1709 ein Bogen aus einem Walkiefer. Seit 2007 ist es nur noch eine Replica aus Fieberglas, das Ding ist gigantisch. Wenn man sich den Wal dazu vorstellt kriegt man Angst, obwohl das wohl keiner war der Menschen fressen könnte, will man so einen nicht unter sich auftauchen sehen.

Walkieferbogen, Haps und weg…

Wir genießen die Aussicht und sonnen etwas. Nebenbei versuchen wir anhand der Sprache zu erkennen woher die anderen Besucher kommen. Spannend. An einer Mischung aus Spanisch und osteuropäisch scheitern wir.

Suchbild: Berwick, Ruine von gestern und Vogelfelsen. Und der Dicke ist auch zu erahnen.

Viel länger wollen wir den Dicken nicht auf uns warten lassen und machen uns auf den Rückweg. Ein Reh schaut zu uns rüber und grast dann weiter. So ein abgebrühtes Exemplar haben wir bisher noch nicht gesehen.

Als nächste Hürde steht uns eine Herde Pferde im Weg. Wir müssen irgendwie dran vorbei. Schließlich stehen wir mitten auf ihrer Weide. Man beäugt sich. Es ist aber noch warm genug so dass keiner von uns unnötige Bewegungen machen will, und so werden wir nur mit vielen Pferdeaugen verfolgt.

Träge Pferde sind hier mal gute Pferde.

Der direkte Weg (😎) führt uns über eine Festivalwiese. Das Zelt hatten wir von oben schon gesehen und gehört, jetzt stehen wir davor. Es gibt Bier und Foodtrucks. Wir haben Hunger und Durst: Passt.

Billig ist es nicht, aber was soll’s. Dafür gibt es exotische Brockoli- und Katsu-Burger zu schottischem Bier. Leider schnell leer so ein Becher.

Bei den Burgern lassen wir uns bewusst Zeit um in kleinen Bissen zu essen und zu genießen. Hätte man auch in einem 11 Pfund Haps erledigen können und dabei ist mit Pfund hier nicht das Gewicht gemeint😬.

Wir laufen am Strand lang vom Festival in Richtung Bus. Der erste Strandparkplatz ist mit WoMo Filter ausgestattet und das offenbar sehr effektiv. Kein einziges WoMo. Dafür aber eine fast reinrassige Bulliparade. Das ist der Grund warum VW unter 2m geblieben ist beim Bulli.

Bulliparade

Zurück am Bus ist Zahltag. Erste Reihe Blick auf‘s Meer. Rückbank, Wein und Linsenchips. Nach hinten lehnen und genießen.

Haben wir es gut 😊

Nur die Scheibe müssten wir mal putzen. Heute aber nicht mehr.

Gute N8

Gift und Gegengift

Der vergiftete Abend zieht sich. Es ist ein Hin und Her. Sobald einer von uns auf Kompromiss schaltet, ist der andere wieder auf Angriff. Und alles nur weil‘s mal nicht läuft wie gewünscht.

Gekrönt wird der Abend von einer mobilen Disco der Dorfjugend, die sich anscheinend genau unseren Stellplatz ausgesucht hat um noch im Auto laute Musik zu hören. Prima. Wir sitzen das unten aus und sinnieren über Methoden das Ganze schnell zu beenden. Wir müssen keine davon anwenden, kurz nach 12 reist die mobile Disco ab und wir haben unsere Ruhe.

Am Morgen danach sind wir immer noch latent angefressen von gestern. Wir packen die Klettersachen und gehen 5 Minuten bis zur Wand des Berges. Es gibt hier ein paar schöne Sportkletterrouten. Perfekt eingebohrt und nicht zu schwer.

Ute klettert direkt mal ne 5er Route im ersten Anlauf durch. Danach gleich noch ne Variante links davon. Vor Staunen vergesse ich den Gipfelschnaps, was nicht unbemerkt bleibt. Mal sehen wie ich das wieder gut gemacht kriege…

Nachdem jeder 3 Routen geklettert ist, stimmt die Hirnchemie wieder. Wir konzentrieren uns auf die schönen Sachen und gehen erstmal einkaufen.

Der Stellplatz mit der Hammer Aussicht lockt uns, die Dorfdisco brauchen wir auch nicht nochmal. Wir fahren nochmal hin und natürlich ist alles voll.

An der Zufahrt ist noch ein Standplatz frei und wir stellen uns erstmal hin, Warteposition sozusagen. Ziemlich schräg, aber schon mit top Aussicht.

Tür auf, Futter auf den Tisch und Mittagsvesper.

Als wir gesättigt und wieder ganz wir selbst sind, wird oben ein Platz in der ersten Reihe frei. Wir stellen den Dicken hin und sichern uns damit den Platz für die Nacht. Ein kleiner Spaziergang die Küste lang erklärt die Beliebtheit des Parkplatzes. Hier gibt‘s noch einen schönen Strand.

Auch uneinsehbare Winkel entdecken wir in erträglicher Nähe, so können wir uns entspannt dem Rest des Tages widmen.

Wenn man sich in relativ belebten Gegenden aufhält, ist es immer gut zu wissen dass für die Nacht vorgesorgt ist.

Temperatursturz

Der Morgen startet mit Sonne satt. Ich merke an den Waden das es mit dem Sonnenschutz gestern nicht perfekt geklappt hat.

Zunächst aber gibt es mal Müsli mit den gesammelten Beeren von gestern.

Der Wetterbericht prophezeit 13 Sonnenstunden bei 20 Grad. Ich wähle eine lange Hose um die Waden zu schonen. Im Augenwinkel zieht irgendwas heran, sieht wie eine Wolkenfront aus. Ich schaue nochmal in den Bericht. Der bleibt bei wolkenlosem Himmel.

Zur Sicherheit packen wir mal eine Regenjacke ein und ziehen los. Es ist Ebbe und wir nutzen die Gelegenheit die Felsen neben dem Sandstrand aus der Nähe zu betrachten.

Der Brocken hat einen Namen: Kip Rock. Zumindest bei den Einheimischen.

Man könnte vermutlich beim aktuellen Wasserstand bis zum nächsten Ort am Ufer kletternd vordringen, wir nehmen aber mal die Treppe auf den offiziellen Pfad ins nächste Dorf. In St. Abbs soll unsere Wanderung starten.

Blick zurück auf Coldingham Sands

In St Abbs angekommen klopfen wir uns auf die Schulter. Der Parkplatz dort ist kostenpflichtig, wir stehen in Coldham kostenlos und mussten nur 15 Minuten mehr laufen. Wir machen Fortschritte in schottischer Tradition.

St. Abbs

Inzwischen ist der Nebel unübersehbar. Mit 13 Sonnenstunden wird das wohl eher nichts heute.

Auf dem Weg runter zum Strand bemerkte ein Schotte schon sowas. Ich verstand allerdings kein Wort. Ute jedoch verstand den Mann problemlos: „Not so bright today“. Das war das zweite mal dass ich kein Wort verstehe, Ute jedoch problemlos folgen kann. Ich glaube das liegt daran dass ich auf das „Englisch“ meiner Kollegen aus Indien und China eingestellt bin. Die verstehe ich problemlos🤷‍♂️

Nach den 30 Grad gestern sind 18 Grad und Nebel ein krasser Wechsel. Macht aber eine schöne Lichtstimmung und passt irgendwie besser zu dem was man sich unter Schottland vorstellt.

Das Ziel der Wanderung soll das Lighthouse von St. Abbs sein. Man bekommt allerdings nur einen Bruchteil zu sehen. Das liegt nicht am Nebel, sondern an den großzügigen Unterkünften für die Leuchtturmwärter die genau davor stehen.

St. Abbs Lighthouse

Das viel interessantere hier ist sowieso ein umfriedetes Gelände, was mit dem Nebel sehr gut zur Geltung kommt. Zweck unergründlich, die Tür steht offen, was sich hier wohl zugetragen hat?

Auf dem Rückweg gibt es noch eine Guano- überzogene Mövenkolonie zu sehen. Die Hausherren sind zugegen und veranstalten einen erstaunlichen Radau.

Grad als ich die Kamera ausgeschaltet habe, stürzt sich die halbe Kolonie gleichzeitig den Fels herunter und schwingt sich in die Luft. Tolles Bild, leider nur für uns. Die Kamera war schon eingepackt.

Zurück in St. Abbs gibt es frische Scones, Jam und heisse Marshmallowschokolade. Zuckerschock.

Jetzt nur noch die gesparten Parkgebühren nach Coldham ablaufen und wir sind startklar für den 2. Teil des Tages.

Wir machen uns auf den Weg in Richtung Edinburgh. Vorbei am Atomkraftwerk an dem sich auch ein Campingplatz befindet. Strahlendes Wetter garantiert, wir passen und fahren weiter.

Warum führen da keine Oberleitungen weg 🤔

Interessanter als das Kraftwerk ist eine alte Ruine am Weg. Wir biegen ab und wollen uns das anschauen. Der Eintritt ist frei, klärt man uns auf, leider ist aber auch die Ruine nicht zugänglich. Man kann sich aber als Interessent zählen lassen und das erhöht dann vielleicht die Chance dass man die knappen Mittel verwenden wird, um hier bevorzugt die Gefahr herabfallender Steine zu beseitigen und wieder zu öffnen. Für diese Info und Tourizählung beschäftigt man hier anscheinend mindestens 3 Personen. Auf der Liste merkwürdiger Jobs sortieren wir das direkt hinter den norwegischen Ampeln ein, die da gerne auch von Angestellten ersetzt werden.

Immerhin kann man das Gemäuer von außen anschauen. Dahinter liegt die Vogelinsel die wir uns vielleicht morgen per Boot anschauen wollen.

Das Ziel heute heißt North Berwick. Da soll es einen tollen Stellplatz am Strand geben. Der Stellplatz ist da, alle anderen auch. Außerdem sieht Ute keine Möglichkeit hier dringende nächtliche Geschäfte ungesehen zu erledigen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Nach der Temperatur fällt nun auch das Stimmungsbarometer sturzartig nach unten.

Die Alternative nach Edinburgh weiterzufahren fällt aus, alle Campingplätze belegt. Hochsaison, Hauptstadt und gutes Wetter, dazu noch Wochenende. Das hätte man sich ausrechnen können.

Wir unternehmen einen Stimmungsrettungsversuch mit Fish&Chips. Leider nur Takeaway, im Restaurant hätten wir reservieren müssen.

Der Fisch ist ausgezeichnet, die Chips sowieso. Stilecht mit Essig ein Gedicht.

Wir bummeln noch durch den Ort und ziehen uns dann auf einen Stellplatz etwas außerhalb zurück. „No overnight parking“ ist zu lesen, wir hoffen mal dass wir ggf. mit der Argumentation, dass wir ja nicht parken sondern campen durchkommen😬

Für Sonntag haben wir einen Campingplatz im Umkreis von Edinburgh reserviert, morgen müssen wir uns noch was überlegen. 7 Minuten von hier gibt es einen Berg der zu erklimmen ist. Heute Abend war der Gipfel noch im Nebel.

Gipfelziel für Morgen: Im Hintergrund und im Nebel.

Unerwartetes

Auf der Fahrt nach Norden lasen wir auf einer Anzeigetafel über der Autobahn: Heatwave Aug 10 to 14, plan ahead. Das fällt mir morgens beim Aufwachen wieder ein und ich überlege ob der Plan, gemütlich auszuschlafen und dann eine Wanderung zu machen, ausreichend vorausschauend ist.

Bei 30 Grad oder mehr einen Berg in der Mittagshitze raufzulaufen erscheint uns wenig verlockend. Wir sparen uns das Frühstück und beeilen uns loszukommen.

Eine knappe Stunde Fahrt durch die Hügel bringt uns nach Melrose. Hier gibt es eine Abteiruine. Leider ist noch geschlossen um 9 Uhr. Ich war allerdings auch der Meinung dass die Ruine über die geplante Wanderung zu erreichen sei, stattdessen startet und endet die Wanderung an der Ruine. Wir laufen also erstmal los.

Durch den pittoresken Ortskern von Melrose, Seitenstraße, Gässchen und schon stehen wir auf einem schattigen Pfad. Ein Schild instruiert uns, sollte der Pfad matschig sein, den nebenstehenden Abstreifer zu nutzen um die Treppe nicht einzusauen. Da besteht heute keine Gefahr. Alles knochentrocken hier.

Also nehmen wir die Treppe ohne vorheriges Abstreifen in Angriff. Auf die Eildon Hills kommt man nicht ebenerdig.

Dafür wird man am Wegesrand abwechselnd mit Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren versorgt, letztere sind gerade erst und sehr vereinzelt reif. Alles etwas später hier oben.

Vom ersten Gipfel auf dem mittleren der drei Hügel aus sehen wir das Monument von gestern.

Allerdings erst nachdem wir geschaut haben in welcher Richtung das sein müsste. Auch hier gibt es wie am Monument einen Markierungsstein für die Triangulation.

Die Hügel sind bedeckt von Erika und bieten ein imposantes Farbenspiel in verschiedenen Schattierungen von Lila. Das Ganze aufgelockert mit saftigem Grün. Herrlich.

Nach dem zweiten Gipfel wird es Zeit aus der Sonne zu kommen, zum Glück waren die nepalesischen Sherpas wohl auch hier und haben vom Hügel runter eine Treppe gebaut. Das zieht offenbar Kreise von Norwegen bis hierher.

Das Werk nepalesischer Sherpas?

Die Erikafelder weichen einem kleinen Wald und ermöglichen einen schattigen Rückweg. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Viel später wäre die Wanderung kein Spaß mehr gewesen.

Wir vespern am Wegesrand mit Blick auf ein Weizenfeld, das gerade abgeerntet wird. Mähdreschern bei der Arbeit zuzuschauen hat nichts von der Faszination aus Kindertagen verloren.

Im Ort präsentiert sich Schottland von zwei Seiten. Sehr englische Gärten…

Und Wohnmobile in sehr ungewöhnlichen Zuständen…

… aber angemeldet …

Zurück an der Abtei sparen wir uns den Eintritt und investieren das Geld in Eis und Latte Macciato. Berühmt wurde die Ruine durch Sir Walter Scott, der schrieb: „Und willst du des Zaubers sicher sein, so besuch Melrose beim Mondenschein; Die goldene Sonn, das Tageslicht, sie passen zu seinen Trümmern nicht.“

Melrose Abbey

Warum hier zu entsprechenden Zeiten geschlossen ist, erschließt sich uns nicht. Auch die Bauzäune um die Ruine tragen nicht wirklich zu einem Ruinenzauber bei.

Wir satteln den Dicken und reiten an die Küste. Da sollte es erträglich sein. Ute hat einen Strand ausfindig gemacht, an dem man auch die Nacht verbringen können soll. Der Stellplatz ist anders als erwartet nicht mit Aussicht auf‘s Meer, aber erstmal gehen wir an den Strand. Das Wasser ist kalt aber unerwartet schwimmbar. Nicht lang, aber anders als auf den Lofoten schwimmt auch Ute ein paar Züge. Also 2😁

Am Strand wärmen wir uns auf und natürlich darf die Dose Bier nicht fehlen, man will sich ja den lokalen Gepflogenheiten nicht entziehen 😉 Nur krebsrot wollen wir nicht werden und sorgen entsprechend etwas vor.

So sind nun mal die Sitten 🤷‍♂️

Zum Abend wird es wieder kühler und der Hunger meldet sich. Zurück zum Bus und den Safari Chef anschmeissen. Bratkartoffeln mit Spiegelei und ein Dessert aus Vanilleyoghurt mit Wackelpudding 😋

Einziger Nachteil des Plätzchens bisher: Kein stabiles Netz. Zum Bloggen muss ich nochmal auf den Hügel.

Die unzufriedene Uhr

Nach dem Essen meldet sich die Sportuhr. Man ist noch nicht genug gelaufen, kann es aber noch schaffen.

In der Nähe gibt es ein Monument, das hatte Ute von einer Frau mit Hund erfahren. Wir nehmen das als Ziel für einen kleinen Abendspaziergang.

Unser Stellplatz liegt in einer Senke im Wald. Als wir da raus sind, sehen wir den Turm.

Ein paar Höhenmeter geht‘s noch recht steil bergauf, dann sind wir oben. Schottische Hügel im Abendlicht. Was für eine Aussicht.

Wir genießen die Landschaft, dann wird der Wind langsam kühl. Wir drehen uns um, und sehen eine leuchtend orange Scheibe über dem Horizont. Der Mond. Irres Schauspiel.

Den Rückweg absolvieren wir bei schwindendem Licht durch den Wald, tolle Stimmung mit knorrigen alten Bäumen.

Blick zurück aus dem düsteren Wald

Zurück am Bus ist auch die Uhr zufrieden mit dem Tag.

Blind Summit

Auf der Autobahn gen Norden passiert nicht viel. Die endlosen Kornfelder sind größtenteils abgeerntet und wir kommen zäh voran. Es liegt wohl am Speed limit von 70 Meilen und stellenweise auch weniger.

Unser Ziel ist noch 90 Minuten entfernt als das Navi uns von der Autobahn lotst. Wir biegen ab und es wird ländlich.

Die Strecke ist recht hügelig und kurvig. Nach der Autobahn ist das eine willkommene Abwechslung. Nach ein paar km haben wir uns an die schmale Straße und den Gegenverkehr gewöhnt und entspannen etwas.

Dann kommen Warnschilder mit dem Text: Blind Summit. Die Hügel sind recht steil und dahinter fällt die Straße auch genauso steil wieder ab. Man sieht nicht was einem entgegenkommt, bevor es wie ein Männchen aus der Versenkung vor einem auftaucht, oder man selbst über die Kuppe geschanzt ist. Dann geht‘s auch direkt schnell bergab und es fühlt sich an wie Achterbahn. Erinnerungen an Fahrten zu den Großeltern in‘s Sauerland werden wach. Die absolvierte mein Vater gerne mit dem Porsche auf sehr ähnlichen Straßen 🤣

Leider schon zu

So kommen wir schnell und unterhaltsam voran bis sich auch schon das Ziel der Reise ankündigt. Am letzten Café in England gibt‘s leider keinen Kaffee und so sind wir kurz darauf schon an der Grenze.

Schottische Grenze

Unser Ziel ist ein idyllisches Plätzchen für die Nacht. Kaum angekommen steht schon die Suppe auf dem Herd und es wird gelöffelt. Achterbahn fahren macht hungrig.

Geschafft, aber angekommen 😁

Sticky Toffee

Drüben werden wir ja wieder links fahren, Ute versucht schonmal sich drauf einzustimmen. Rechtslenken scheitert aber am fehlenden Lenkrad 😬

Der Kanal hält ruhiges Wasser für uns bereit, die Möve spekuliert auf Futter.

Nach nicht mal 2h kommen die inzwischen vertrauten weißen Felsen in Sicht und die Fähre parkt rückwärts im Hafen von Dover ein.

Wir fahren gleich weiter, bei Cambridge wollen wir eine Mittagspause einlegen.

Die Suche nach einem schönen Plätzchen gestaltet sich schwierig. Alle Feldwege sind nach 2 Metern mit Gattern versperrt und Parken ist verboten.

Endlich finden wir einen Parkplatz zu einem Naherholungsgebiet, die Einfahrtshöhe ist per Balken auf 2,10m begrenzt. Mit einem WoMo wären wir da angeschmiert gewesen, aber der Dicke passt durch😎

Nach der Vesper laufen wir eine Runde. Die Landschaft ist ziemlich ausgedörrt. Auf der Autobahn wird vor der aktuellen Hitzewelle gewarnt. Noch bis 14.8. bleibt es heiß.

Der Boden ist überall breit und tief aufgerissen, man muss aufpassen wo man hintritt. Sowas hab ich noch nicht gesehen.

In der Mittagshitze von 30 Grad belassen wir es bei einer kleinen Runde über eine Weide. Vor freilaufenden Rindern wird gewarnt. Die liegen allerdings im Schatten und bewegen nur die Ohren um die Fliegen abzuwehren.

Wir machen uns wieder auf den Weg, nach einer halben Stunde lässt sich die Mittagsmüdigkeit nicht mehr ignorieren. Wir halten an einem Diner und genehmigen uns einen Shake.

Raspberry für Ute, ich nehme einen Sticky Toffee. Schmeckt wie es klingt 😁

Kontrolle

Um 6 klingeln unsere Wecker in Stereo. Der Tag kündigt sich mit Morgenrot über den Feldern der Französischen Küste an. Ute nutzt den frisch gewaschenen Bus als Spiegel.

Auf dem kurzen Weg zum Fährterminal tanken wir noch, auf der Insel wird es ca 40 ct teurer je Liter sagt der ADAC.

Bis wir in der Verladeschlange stehen sind unsere Pässe drei mal kontrolliert worden und der Bus wurde zwei mal auf versteckte Mitreisende durchsucht. Auch im Geschränk saß zum Glück keiner.

Tagesziel erreicht

Kurz vor Dünkirchen finden wir ein nettes Plätzchen am Kanal, 20 Minuten bis zur Fähre und mitten in der Natur. In nullkommanix steht der Klapptisch in der Sonne und das Wasser kocht. Heute gibt‘s Spaghetti mit Pesto und dazu ein frisch aus Italien mitgebrachtes Bierra Moretti. Zu genießen in guter Gesellschaft, dafür ist gesorgt 😁

Wasser in Sicht

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