Der neue Tag begrüßt uns mit Sonnenschein. Wir stehen direkt hinter der Düne und haben nur 100m bis zum Strand.
Wir machen erstmal einen kleinen Spaziergang am Strand lang.
Dem Strand folgen wir zum Ort und schauen gespannt ob wir was wiedererkennen. Ist schon ziemlich lang her als wir zuletzt hier waren.
In dem Bunker haben wir mal geurlaubt. Inzwischen wirkt er sehr heruntergekommen.
Zum Mittag setzten wir uns in das Restaurant mit der besten Kombination aus Aussicht und Empfehlung der Locals.
Dass wir so früh im Jahr bei solchem Wetter mit dieser Aussicht so lecker speisen können, hätten wir nicht gedacht.
Nachmittags legen wir uns erstmal an den Strand, die lange Fahrerei von gestern ist noch nicht ganz ausgeschlafen.
Ute übt inspiriert von Geschichten aus der Jugend das Rülpssprechen. Das funktioniert mit einem Birra Moretti unerwartet sehr gut und sehr vernehmlich. Mutter und Kind nebenan schauen sehr erschrocken und ziemlich irritiert herüber. Ute kriegt einen Lachflash.
Bevor wir aber den ganzen Tag verschlafen springe ich nochmal schnell in die Fluten. Diese Wellen sind einfach zu verlockend. Der Neo ist zwar mit dabei, aber ich probiere es mal ohne. Sehr kalt, aber möglich.
Bevor wir direkt wieder zum Abendessen übergehen, einigen wir uns auf einen Spaziergang. Am Strand nach Süden drängt sich ein Problem unserer Zeit auf. Überall Plastikmüll am Strand.
Auffällig viele Schraubverschlüsse sind dabei. Daher die Umstellung auf unverlierbare Deckel. Macht Sinn, löst aber nicht das Problem.
Alte Badelatschen können offenbar auch einigen Muscheln als Schiff dienen. Es hat alles zwei Seiten. Mindestens.
Zurück geht es hinter der Düne durch den Pinienwald.
Wir kaufen noch Salat und Käse für das Abendessen ein und machen uns auf den Weg zurück zum Bus. Über dem Meer braut sich was zusammen.
Wir wählen den direkten Weg zurück, erste Blitze zucken durch die Wolke, und es beginnt zu tröpfeln. Das Dach lassen wir erstmal noch zu, man will den Faradayeschen Käfig ja nicht unbedingt nach oben öffnen 😉
Bei Käsebaguette, Oliven und Salat sitzen wir das Gewitter aus. Es zieht zum Glück über dem Meer an uns vorbei. Nach dem Kaffee zum Dessert können wir das Dach gefahrlos aufklappen und auf eine weitere ruhige Nacht hoffen.
Bis zum späten Mittag kommen wir gut voran, ohne zu viel Regen abzubekommen. Die Landschaft ist schön anzuschauen und über die Nationalstraßen kommt man mautfrei durch die schöne Kulisse.
An diesem schönen Plätzchen machen wir Pause, bevor es ohne weiteren Stopp in 6,5h bis Lacanau-Ocean weitergeht.
Wir nutzen die Zeit um das Abenteuer von gestern nochmal Revue passieren zu lassen.
Ein Detail hab ich gestern noch unterschlagen. Als es an‘s Abseilen ging, waren möglicherweise vorhandene Spinnen die größte Sorge. Leicht panische Blicke suchten die Wände ab. „In dem Farn da sitzen doch sicher Spinnen?“ Nö, saßen sie nicht. Als aber der Knochen am Schachtgrund erspäht wurde, und die verwesende Kuh in Gedanken Gestalt annahm, waren Spinnen ganz plötzlich überhaupt kein Thema mehr. Auch bei Befürchtungen und Ängsten gibt es das Trumpf Prinzip. Kuh sticht Spinne 🤣
Kurz drauf wird das Wetter mies. Dauerregen. Gute Wahl heute nur zu fahren, auch wenn das vor Allem bei schwindendem Licht und zunehmender Gischt nicht wirklich Spaß macht.
Um 21:45 sind wir am Ziel. Das Meer:
Der Parkplatz am Strand ist verlockend nah am Meer, aber hier ist trotz Vorsaison zu viel los. Eine ruhige Nacht ist hier nicht zu erwarten. Wir disponieren um und fahren nochmal 4 Minuten an den Ortsrand. Gut investierte Zeit wie sich herausstellt.
Das Meer hören wir auch von hier. Wir wollen gerade die Mütze aufziehen, da entdeckt Ute zwei verdächtige Haufen. Das ist doch sicher Erbrochenes oder ein Riesen Haufen Sch… ? Ich halte es für roten Sand mit hellen Steinchen. Nein, das sind Maiskörnchen beharrt Ute. Alles argumentieren hilft nichts. Die Schaufel kommt zum Einsatz und die verdächtigen Haufen werden entsorgt. Lieber Sand wegschaufeln als weiterdiskutieren😁
Es regnet noch etwas, wir köpfen den Mandelsecco vom Weintor in der Pfalz, dazu ein paar Oliven und Baguette, dann sind wir reif für die Matratze.
Wir haben uns gerade hingelegt, da rollt ein Auto auf den Schotterplatz. Zwei Leute sitzen drin und beginnen irgendetwas auszuladen.
Wer zur Hölle taucht an so einem Parkplatz Nachts um 11 auf?
Ich beobachte aufmerksam und überlege was die wohl hier wollen könnten.
Die Erklärung ist einfach. Das selbe wie wir. Wenig später machen sich zwei Leute im Schlaz auf in Richtung Höhle. Es macht ja absolut Sinn im Dunkeln in eine Höhle zu gehen. So verpasst man kein Tageslicht..
Wir können uns beruhigt hinlegen und die Nacht ungestört verbringen.
Am nächsten Morgen ist Regen angesagt und dazu Gewitter. Wir verzichten auf eine weitere Höhlentour und machen uns auf die Reise gen Atlantik. Regen und Gewitter verbringt man am Besten mit Kilometerfressen.
Unterwegs decken wir uns mit französischen Leckereien ein und machen uns auf den Weg zum Meer!
Angeschlazt, mit der Ausrüstung im Schleifsack und mit gestärktem Mut sind wir schnell wieder am Eingang zur Unterwelt.
Das gähnende Loch, eine Doline also ein Einbruch der Decke einer Höhle bis zur Oberfläche ist unser Einstieg in diese Kalksteinhöhle.
Wir richten eine Abseilstelle ein, aber die gespannten Nerven verlangen nach einem Seilgeländer um bis an den Rand zu kommen. Auch das ausgewählte Abseilgerät verursacht Bedenken, zuletzt hatten wir immer ein Anderes verwendet. So pilgern wir noch ein paarmal zurück zum Bus, bis die Ausrüstung perfekt und der Zustieg ausreichend gesichert sind. Zum Glück ist es nicht weit zum Bus. So dauert es nicht allzu lange bis es keine Ausreden mehr gibt und der Abstieg in die Doline bevorsteht.
Just in dem Moment erspäht Ute am Grund des Schachts einen großen Knochen. Die angespannten Nerven wittern ein Ventil und entladen die Anspannung. Da liegt bestimmt eine tote Kuh, da geh ich nicht runter. Alles zureden nützt nichts, ich gehe vor und bestätige dass da keine verwesende Kuh auf Ute wartet. Wieder oben ein neuer Versuch, nicht ohne eine handfeste Drohung: „wenn da unten irgendwas auf mich lauert was mich ekelt, komm ich rauf und klatsch Dir eine!“
Ich erwähne noch schnell den vergitterten zweiten Gang, der unten in Sicht kommen wird, und hoffe dass ich nichts übersehen habe. Den Knochen hatte ich schon aus dem Sichtbereich entfernt, aber wer weiß ob da nicht noch irgendwo einer im Schatten liegt..
Unten angekommen warte ich einen bangen Moment dass Ute das Seil raufgeflitzt kommt und mir eine klatscht, aber alles bleibt ruhig. Ich komme nach und sichere das Seil unten gegen Abziehen von oben. Wir wollen ja auch nachher wieder hier rauskommen.
Der Abgleich der Befürchtung mit der Realität fällt wie so oft aus: Alles nicht so schlimm wie man sich das vorgestellt hat. Entspannung setzt ein und das Abenteuer kann beginnen. Die Neugier übernimmt das Ruder und wir steigen den Schuttkegel hinab in den Hauptgang der Höhle.
Nach dem Schuttkegel der Doline geht es direkt mit Sinterschmuck los, Ute assoziiert Eingeweide und irgendwie stimmt das ja auch, wir sind in den Eingeweiden der Erde. Ich finde diese Art Sinter schön, Ute nicht, dafür findet sie Gefallen an der Deckenstruktur. Zum Glück bleibt es bei der tolerablen Variante von „gefällt mir nicht“, Ekel oder Angst sind nicht involviert und ich werde bekomme keine geklatscht. Puh!
Recht bald gibt es kleinere Hürden zu überwinden, die auch mal in der Breite schmaler werden, Felskontakt ist unvermeidlich. Wieder Erwarten stellt das absolut kein Problem dar. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wieder ein Fall von die Realität ist eigentlich immer anders als erwartet. Wir sprechen das im Anschluss durch. Was ich als Engstelle bezeichne empfindet Ute als unproblematisch: „ist doch rundherum und vor allem Oben genug Platz“. Ich bin mal wieder baff.
Die nächste Stelle wird von oben enger, aber auch da rutscht Ute ohne Probleme durch. In der folgenden Kammer schleichen sich aber Zweifel in die Gedanken, ob das zurück ebenso leicht geht. Und ganz so luftig wie bisher ist es hier auch nicht.
Wir bestaunen noch etwas den Sinter und beschließen den Rückweg anzutreten.
Da man in den allermeisten Höhlen den selben Weg zurück nehmen muss, den man hineingegangen ist, sammeln sich unterwegs immer mehr Zweifel im Unterbewusstsein an. Geht die Stelle rückwärts genausogut wie auf dem Weg rein? Schaffe ich diese Kletterei, finde ich den Weg zurück? Ohne es bewusst wahrzunehmen legt sich das dann gerne auf das Wohlbefinden und zeigt sich in Form von Beklemmungen oder auch mal wahrgenommener schlechter Luftqualität.
Mit der Luft ist alles in Ordnung, und kaum sind wir durch die zweifelhafte Stelle problemlos zurück, ist das Wohlbefinden wiederhergestellt.
Der Weg zurück stellt sich dann auch deutlich kürzer dar, als der Weg hinein. Ein weiteres Mal zerschellen Vorstellungen und Befürchtungen an der Realität.
Ehe wir uns versehen blicken wir in‘s Tagelsicht.
Das Abenteuer ist erlebt, die Mundwinkel streben nach oben und das Leuchten in den Augen zeigt sich. Well Done!
Kaum am Auto angekommen traue ich mal wieder meinen Ohren kaum. Ute überlegt ob wir morgen nicht gleich nochmal einsteigen und die Höhle weiter erkunden. Da ist wohl jemand auf den Abenteuergeschmack gekommen 😎
Abschlazen und schnell das Abendessen zubereiten. So ein Erlebnis verlangt nach einem ordentlichen Abschluss.
Raclette, Rotwein und gute Gespräche über das Erlebte runden den Abend ab. Das erste Outdoor Mahl in 2024 war ein denkwürdiges.
Bald wird es kalt und Regen ist angekündigt. Wir ziehen dem Bus die Regenhaube über und verlagern den Abend nach innen. Ein Tee zur Guten Nacht, dann legen wir uns hin.
Das Jahr startete dramatisch und mental anstrengend. Der Alltag hilft mit Ablenkung, aber nur begrenzt. Wir sind beide erschöpft und brauchen eine Krafttankstelle. Urlaub klingt echt gut. Raus aus dem Stress und Abstand gewinnen, rausfinden was wichtig ist und die Gedanken sortieren.
Das Ziel ist die französische Atlantikküste. Frischer Wind klingt sehr gut gerade.
Gestern wurden wir noch auf eine kleine aber feine Geburtstagsfeier eingeladen, heute schlafen wir aus und fangen dann an, den Bus zu beladen. Inzwischen geht das ohne Hektik und sehr routiniert. Trotz nicht so guter Wettervorhersage scheint dazu die Sonne.
Noch kurz ein paar Lebensmittel bunkern und ein paar süße Stückchen, Kaffee to go und ab dafür.
Bis wir auf der Autobahn sind, ist es schon halb zwei. Aber das macht ja nichts, wir sind da absolut flexibel.
Wir fahren erstmal im‘s französische Jura. Gut 3h sind eine gute Etappe für einen halben Tag und ich kenn da ein paar interessante Örtlichkeiten im Jura.
Wir kommen staufrei durch und haben auch am Ziel noch Sonne. Ein Parkplatz mitten in der Provinz, blühende Büsche. Sonne und ein kleines Abenteuer vor der Nase, wir tauchen gleich voll ein.
Durch die blühenden Büsche führt ein Pfad, wir folgen ihm.
An seinem Ende zeige ich Ute die Doline. Unser Eingang in die Unterwelt, wenn wir das denn wirklich tun wollen. Höhlen waren ja bisher ein absolutes No Go für Ute. Never Ever hieß es bis dato.
Als Ute den bisherigen Urlaubsplan Vogesen über den Haufen schmiss und den Atlantik zum Ziel erklärte, merkte ich an, dass wir dann ja mal auf dem Weg in die ein oder andere Höhle schnuppern könnten. Statt des erwarteten „Never Ever!“ hörte ich ein „OK. Schau ich mir an, aber ob und wie weit wir reingehen sehen wir dann.“
Mehr kann man nicht erwarten und dieser sehr unerwartete Satz ist ein irrer Erfolg. Die berechtigte und sinnvolle Angst vor solchen Unternehmungen ist auf ein vernünftiges Maß gesunken, dass es erlaubt rational an die Sache ranzugehen. Die Bereitschaft, Befürchtungen an der Realität zu testen und ihnen eben nicht mit kategorischem Ausschluss zu begegnen ist ein Riesen Erfolg. Den Schlaz anzuziehen und die Ausrüstung anzulegen, ist der physische Ausdruck der Tatsache dass Bauch und Verstand im Gleichgewicht und am Arbeitspunkt angekommen sind.
Die Nerven flattern gehörig, diesmal gibt es die Belohnung, das „Gipfelschnäpschen“ vorab. Allerdings muss man bedenken, dass es die größere Überwindung ist, den Schlaz anzuziehen und damit das Go für die Mission zu geben. Verdient ist der Mutmacher zu 100%.
Zum späten Frühstück kehren wir nochmal ein, dann sind wir zuhause. Bus ausladen, Wäsche waschen, Sachen verstauen, die Routine hat uns direkt wieder im Griff.
Zeit ein Fazit zu ziehen.
Was unter dem Schottenrock ist, konnten wir nicht aufklären, aber immerhin haben wir ein paar original Schotten in Tracht gesehen. Die hatten aber alle neben einer amtlichen schottischen Statur den Sgian Dubh dabei, das traditionelle Messer. Wir haben uns nicht getraut denen unter den Rock zu lugen.
Wir hatten den Eindruck dass hier touristisch mehr los war als in Irland oder Norwegen, haben aber auch Berichte gehört dass es dort ebenfalls mehr geworden ist mit mobilen Touristen. Das kann man also nicht unbedingt dem Land ankreiden. Die Landschaft in Irland hat uns einen Tick besser gefallen, die Leute sind ähnlich nett und offen in beiden Ländern. Die Berge fand Ute zu schwarz und bedrückend und die Midges sind schon lästig und treiben einen oft in den Bus. Das hat uns in Anbetracht der Temperaturen und des ganzen Tags draußen aber kaum gestört.
Das Wetter war zum Wandern und Klettern perfekt, und auch bei Nebel kann man tolle Erlebnisse in den Highlands sammeln. Die Midges waren lästig aber handhabbar, wir sind nicht mehr zerstochen worden als in anderen Urlauben.
Ute hat das Land abgehakt, ich würde da gerne nochmal hin bei Gelegenheit. Vor allem die ganz nördlichen Gebiete fand ich klasse.
Ich finde auch dass Mr. Munro seine Zeit nicht vergeudet hat, als er die 3000er katalogisierte. Ich fühle mich ebenso wie zahlreiche andere motiviert, von denen noch einige zu „baggen“. Allen voran den „Inaccessible Pinnacle“.
Die nicht zu hohen aber klettertechnisch trotzdem anspruchsvollen Gipfel haben definitiv etwas. Auch klettern an der Steilküste reizt mich.
Was das klettern angeht, so haben wir einen tollen Anfang gemacht und Gefallen daran gefunden, bei unseren Touren neben dem Wandern noch eine zweite Art zu haben das Land zu erkunden. Unterschiedliche Gesteinsarten und Spots kennenzulernen und auf sehr direkte Art nach Oben zu kommen ist eine Bereicherung.
Die durch Corona erzwungene Konzentration aufeinander in Kombination mit viel Zeit hat uns ermöglicht den Klettersport gemeinsam als Ausweg zu entdecken, was sich nun auszahlt. Es lohnt sich Zeit in gemeinsame Aktivitäten zu investieren.
Schottland hat definitiv Potenzial hier noch einige Abenteuer bereitzuhalten.
Ich bin auch beruhigt dass ich nach einer Woche Gewöhnung auch die Leute in Schottland verstanden habe. Ich bin gespannt wie gut ich die Kollegen aus Indien und China ab Montag noch verstehe.
Die Ungewöhnung auf Rechtsverkehr hat uns mehr Probleme gemacht als andersherum, das war unerwartet. Es blieb aber bei einem öfter auftretenden Schreckmoment falsch zu sein und wir sind heile wieder daheim angekommen.
Die Nadel von Paradou, so heißt der Fels an dem wir gestern unsere spezielle Sightseeing Tour starteten. Der Text „Jeder der mit Felsklettern beginnt, lernt die Nadel von Paradou mit ihren relativ einfachen 2-Seillängen und dem Abseiler ins Nichts kennen.
Gestern hatten wir nur eine Seillänge geklettert, und keine Natel gesehen, geschweige denn einen Abseiler in‘s Nichts.
Bevor wir uns auf den Heimweg machen, will ich mir das nochmal genauer anschauen. Es klingt einfach zu verlockend um das am Wegesrand liegen zu lassen.
Der Parkplatz ist deutlich voller als gestern, und die Route von gestern ist belegt. Wir gehen etwas weiter und ich versuche mich an einer Kante. Interessante Kletterei, aber bis oben traue ich mich im Vorstieg nicht. Der Nachbar empfiehlt an den hier gesetzten Haken lieber nicht zu Topropen.
Vorstieg an der Kante
Er hat einen Kletterführer der Gegend in den ich mal reinschauen darf. Jetzt wird klar dass die Felswand an der wir gestern kletterten keine Wand in dem Sinne ist, sondern die Nadel. Die gewaltige Platte steht frei vor der Wand. Man seilt hinten von der Spitze ab. Das ist tatsächlich freihängend, da die Platte geneigt ist. Sieht cool aus.
Wir drehen uns um um zu schauen ob inzwischen was frei ist an den Nadel. Von der Seite sieht man die Nadel in ihrer ganzen Pracht. Von der Straße aus sieht man nur eine dreieckige Wand, erst von der Seite sieht man dass diese Wand vor der eigentlichen Wand steht.
Wir haben Glück: Die Route Paradoes (4+) ist frei und führt in zwei Seillängen bis oben auf die Spitze der Nadel.
Ich steige vor, Ute steigt nach und sammelt die verbauten Exen ein. Läuft super.
Wir nehmen die zweite Seillänge in Angriff. Ich steige vor, Ute sichert mich vom ersten Stand aus. Nach etwa 15m wird der Fels flacher, einfacher zu klettern, aber man sieht sich nicht mehr. Darunter leidet die Verständigung, zumal die Straße am Felsfuss auch recht laut ist und einige andere Seilschaften unterwegs sind.
Aussicht vom Stand
Ute hat eine Idee und ruft mich einfach an. Perfekt. So stimmen wir uns ab ohne die Nachbarn zu irritieren und Ute nimmt die 2. Seillänge Nachstieg in Angriff.
Von hier geht es noch 4-5 Meter rauf, dann haben wir die Spitze der Nadel erreicht. Hier liegt eine Kette rund um die Spitze die uns zur Rückseite führt und einen Abseilring bereithält. Man sieht 3 Meter runter dann kommt eine Kante, dahinter sieht man: Nichts. The Void. Das also ist mit Abseilen in‘s Nichts gemeint.
Ich hänge mich ein und schau mir das an. Wenn man sich etwas weiterhangelt, kann man über die Kante schauen. Nach ca 10m kommt ein kleiner Verbindungssattel der Nadel mit Felswand verbindet und nach rechts führt eine Rampe weiter nach unten. Unser Seil ist lang genug.
Abwärts Richtung Kante
Ute seilt als Erste ab, zunächst bis zur Kante, dann darüber und sie hängt im Nichts.
Etwas später höre ich das „Seil Frei!“ und bin selbst an der Reihe.
Eine sehr schöne Route mit toller Kulisse und einem spannenden Abseiler am Ende. Sehr schade dass wir nicht mehr Zeit haben, aber hier kommen wir sicher nochmal her.
Wir vespern nochmal an der Maas, dann steht die Heimfahrt an.
Besonders weit kommen wir nicht, der Wunsch nach einem Eis wird direkt erhört. Handgemachtes Eis – sehr lecker.
Nu aber los, wir werden noch als Partygäste in Wiesbaden erwartet. Man sagt zwar je später der Abend desto illuster die Gäste, aber wir wollen es nicht übertreiben.
Nach den gestrigen Bierexperimenten brauchen wir heute morgen etwas länger um in die Spur zu kommen. Wir knobeln beim Frühstück an einem Rätselcache und fahren gegen Mittag los um ein paar Caches zum Sightseeing zu missbrauchen.
Erste Station ist ein Kletterfelsen am Maasufer, tolle Aussicht am ersten Stand, da müssen wir morgen nochmal hin, das Handy blieb leider unten 😬
Als nächstes gibt‘s eine Aussichtsloge die ziemlich exklusiv ist.
VIP EingangDer AufstiegTadaaaa… welcome to the most exclusive View around Namur!The view 😎
Weiter geht‘s zu einem weiteren exklusiven Schauplatz. Diesmal mit BMI Filter am Einhang. Bauch einziehen, Licht an und abwärts in den belgischen Untergrund.
Soviel Sightseeing macht durstig und wir halten auf der Rückfahrt zum Campingplatz noch beim Getränkehändler an und versorgen uns für weitere Experimente mit belgischem Bier. Diesmal grillen wir direkt am Bus, da ist es nicht mehr so weit ins Bett 😉 Bei Sorten wie Tête de Mort Rouge erscheint uns dass sinnvoll.
Wir sind gerade losgefahren, da fängt es an zu regnen. Heute steht nur Kilometerfressen auf dem Plan. Wir haben eine Fähre für 12:45 gebucht. Zur Abwechslung mal P&O.
Das ausgedehnte Regengebiet begleitet uns bist kurz vor Dover. Im Radio sprechen sie von überfluteten Fahrbahnen. Auch auf unserer Strecke ist Stau. Wir fürchten schon nicht rechtzeitig in Dover anzukommen, da kommt eine SMS. Unsere Fähre hat bis zu 90 Minuten Verspätung. Wir können uns Zeit lassen.
Im Hafen werden wir für eine zufällige Sicherheitskontrolle ausgewählt. Einmal unter die Motorhaube geschaut und den Kletterrucksack ausgepackt, dann sind sie zufrieden und lassen uns weiter in die Warteschlange für die noch nicht angekommene Fähre.
Alle Fähren sind pünktlich, nur unsere nicht. P&O war ein Griff in‘s Klo diesmal.
Eine riesige Werbetafel fragt: „Rate wer seit 10 Jahren regelmäßig zum besten Fähroperator weltweit gewählt worden ist“ ? Es ist nicht P&O. Hätten wir das mal vorher gewusst 😬
Eine Stunde Zeitverlust, eine weitere durch die Zeitzonendifferenz. In Calais ist es eine Stunde später.
Wir kaufen noch Grillfleisch in Frankreich, den Belgiern trauen wir da irgendwie nicht, und fahren durch bis an die Bocq, wo wir einen mittlerweile oft besuchten Platz ansteuern und uns mit Freunden treffen die uns entgegen kommen.
Abendessen gemeinsam im Restaurant am Platz und wir experimentieren mit belgischem Bier. Hochgefährlich, aber lecker 😋
Die Pizza ist extrem lecker, stopft aber sehr ungewohnt. Alle vier rollen pappsatt in die Heia. Ich komme so grade noch ohne karussellfahren ins Dachzelt.
Die Nacht ist nicht ganz so ruhig wie sonst, das Hotel ist recht nah an der Straße und das Dachzelt dämmt die Geräusche kaum. Wir schlafen trotzdem gut, es könnte an der 10h Tour gestern gelegen haben.
Der nächste Stopp ist an einer Tankstelle die laut Internet passende Gasflaschen für unseren Bus hat und zum Glück auch nicht weit entfernt ist. 43£ statt der gewohnten 30€ ist happig, aber was will man machen. Wir sind froh wieder komplett ausgerüstet zu sein.
Die Strecke geht durch den Nationalpark Loch Lomond. An einer großen Haltebucht machen wir einen Stopp und kochen mit dem neuen Gas erstmal einen Kaffee. Die Berge im Hintergrund sehen gut aus, könnten Munros sein.
Dass die Berge sich gut machen wissen anscheinend auch andere. Hier halten Alle, und zwar busweise. Inclusive Reiseleiter im Schottenrock. Als er an unserem Bus vorbeiläuft und sieht dass wir ein Käffchen schlürfen, schüttelt er nur den Kopf. Unseretwegen konnte er nicht parken wie er wollte. Was fällt uns ein.
Was fällt ihm ein unsere Aussicht mit einer Busladung Touristen zu verstellen?
Nachdem alle das Foto der Berge gemacht haben, werden sie wieder eingeladen und der Bus fährt ab. Wir sehen auch zu dass wir weiterkommen.
Die Landschaft wird langsam flacher und die Highlands verschwinden im Nebel hinter uns.
Baustellen sind in fremden Ländern immer besonders interessant. Hier freuen sich Zwei dass sie die halbe Straße für sich haben.
Gegen Mittag machen wir ein Päuschen. Dazu bietet sich ein alter Cache an, der am Weg liegt und einen kleinen Spaziergang anbietet.
Wir parken in einem netten Örtchen und laufen los. Etwa 20 Minuten brauchen wir bis zu einer schönen Aussicht.
Ben View – Blick auf die Berge
Auf der Anfahrt hat Ute Oskar’s Café erspäht, da fahren wir jetzt hin und verpassen uns einen Zuckerschock zum Mittag. Die Schotten wissen schon wie man Zucker und Fett ansprechend verpacken kann.
Zucker macht auch glücklich, muss nicht jeden Tag eine 10h Tour sein 🤣
Wir stellen fest dass schon wieder Mittag ist und wir noch kaum vorangekommen sind. Jetzt aber hurtig, morgen wollen wir auf der Fähre sein und vor uns liegen noch 8h Fahrt bis Dover.
Auf der Autobahn überholen wir ein italienisches Wohnmobil. Direkt dahinter ein zweites und ein drittes. Diese WoMo Kolonne kennen wir. Die sind uns mit 20 Mobilen inzwischen schon zweimal begegnet in Schottland. Zum Glück kamen sie uns jedesmal entgegen und steuerten nicht unsere Stellplätze an.
Erst jetzt fällt uns auf dass alle eine rote Nummer hinten aufgeklebt haben. Wie Hausnummern. Alle fahren der Nummer nach hintereinander, nur die Nummer 8 fährt hinter der 1 und weicht auch von der Farbe ab. Alle weiß, nur die 8 ist grau.
Die Nummer 1 ist mit Aufklebern aus aller Welt zugepflastert. Das muss der Veranstalter dieser Tour sein. Wär ja mal interessant rauszufinden was für eine Truppe das ist. Eher nichts für uns, aber interessant. Leider ist unter all den Aufklebern nichts dabei was Aufschluss über die Kolonne geben könnte.
Wir fahren noch bis Leeds und suchen uns einen Platz für die Nacht. Ein Parkplatz an einem Naherholungsgebiet bietet uns Unterschlupf und eine Möglichkeit zu grillen. Die Temperatur ist wieder über 20 Grad so dass wir gleich loslegen, selbst einsetzender Regen vertreibt uns nicht in den Bus, dafür gibt es ja eine Markiese.
Von den Würstchen haben es drei nicht auf den Grill geschafft und warten auf dem Boden in ihrer Schale auf eventuellen Einsatz.
Ein Gassigeher kommt von seiner Runde zurück. Während der eine Hund den Grill beschnuppert steuert der andere wie ein Schatten aus dem Nichts zielstrebig auf die Würstchen zu und ehe wir reagieren können, sind die Würstchen verschwunden.
Ich hoffe sehr das Tier verträgt Chili. Auf der Packung stand was von einer leichten Chili Note, aber das war wohl auch ein Fall von britischem Weltmeisterunderstatement.