Die Chance nach so einer Tour außerhalb der Komfortzone was richtig schönes zu finden ist vor allem in Norwegen sehr hoch. Was sich an Landschaft auf dem Gipfel und dem Rückweg hinten wieder herunter zeigt, ist einfach nur schön.




Die Chance nach so einer Tour außerhalb der Komfortzone was richtig schönes zu finden ist vor allem in Norwegen sehr hoch. Was sich an Landschaft auf dem Gipfel und dem Rückweg hinten wieder herunter zeigt, ist einfach nur schön.




Der Klettersteig am Campingplatz ist der längste und härteste in diesem Tal, wir fangen heute mal mit dem leichtesten an. 250 Höhenmeter geht es auf 450m Strecke hoch, in 2h soll es zu schaffen sein. Bewertet ist es mit B/C, die Skala geht bis E.
Der Zustieg geht durch ein herrlich grünes Wäldchen auf weichem Waldboden bergauf, überall stehen Heidelbeeren.

Aus dem Grün taucht die graue Wand auf, wir haben den Wandfuss erreicht. Gurte bestücken und Partnercheck, dann kann es losgehen.

Nach einer klassischen Passage zum Einstieg ändert sich die Charakteristik in Richtung Reibungsplatte und wir ändern die Taktik. Da Ute sich auf solchen noch nicht wohl fühlt kommt, das Belay Kit von Edelried zum Einsatz. Ich klettere vor und sichere nach. Dauert zwar etwas länger, verhindert aber zuverlässig eventuelle Stürze im Steig.

Da sich das Kit einhändig bedienen lässt, kann man auch prima die andere Hand für Foto‘s benutzen 😁 Nur ruhighalten müsste man sie dann noch 😬
Der Steig präsentiert tolle Aussichten von der Seite in‘s Setesdal und Ute wird langsam mit den Platten warm. Der Tiefblick macht schon gar nichts mehr aus und die Klettertechnik wird zusehends geschmeidiger.

Die Wahrscheinlichkeit dass es bei unseren Touren auch mal außerhalb der Komfortzone geht, ist erfahrungsgemäß recht hoch. Das ist auch heute der Fall. Ute‘s Bewältigungsstrategie kenne ich mittlerweile, was mich aber umhaut ist die Geschwindigkeit mit der Sie heute umschaltet. Im einen Moment den Absturz vor dem geistigen Auge, klettert sie im nächsten Moment schon wieder souverän den nächsten Abschnitt. Diese Fortschritte zu beobachten ist wirklich faszinierend.

Bei 30€ Benutzungsgebühr haben die Erbauer natürlich keine Kosten und Mühen gescheut und haben ein Restaurant mitten in den Steig gebaut. Man sitzt sehr bequem und die Aussicht ist der Hammer.

Ein besonderes psychologisches Schmankerl haben die Erbauer für den Schluss aufgespart. Da sieht es so aus als wäre die Felswand zu Ende und man hätte es gleich geschafft. Erleichterung macht sich breit und man blickt zurück auf die Höhenmeter die man geschafft hat und die neue Aussicht die sich daraus ergibt:

Und dann kommt man um die Ecke und sieht auf eine senkrechte Wand an der das Stahlseil noch deutlich weiter rauf zieht. Ziemlich senkrecht und ohne erkennbare Trittbügel.
Da hilft dann die Lebensweisheit von Beppo Straßenkehrer. Schau auf den nächsten Besenstrich und nicht auf die ganze lange zu fegende Straße. Und eh man sich versieht, ist man dann doch oben angekommen.


Die Strasse im Setesdal wird grad neu gemacht, dazu ist schweres Gerät im Einsatz. Solange die Sonne scheint, kratzt der Bagger auf dem Fels, was dann durch das ganze Tal hallt. Als wir mit dem Essen fertig sind gibt aber auch der Bagger Ruhe und wir haben eine ruhige Nacht. Nach der ganzen Fahrerei schlafen wir bis uns morgends die Sonne weckt und unser Dachzelt wärmt. Herrlich.
Frühstück am Wasser und in der Sonne mit Blick auf die norwegische Kulisse. Dann packen wir die Klettersachen und machen uns auf nach Brokke. Vorher müssen wir aber noch ein Ticket kaufen. Die Klettersteige hier sind privat errichtet und das lassen sie sich hier fürstlich bezahlen. Mit 30€ pro Nase sind wir dabei.
12 Minuten fahren wir bergauf, dann sind wir schon da. Vor 5 Jahren haben wir hier oben das erste mal wild gecampt, heute steht ein leichter Klettersteig an. In 2h soll man oben sein. Die Wand sieht eindrücklich aus. An ihrem Fuße stehen die typischen norwegischen Hytta, hier alle mit Gras auf dem Dach.

Unterwegs überlegen wir wie es nun weitergeht. Auf lange Autofahrt haben wir beide keine Lust, also beschließen wir jetzt nicht mehr weit nach Norden zu fahren und erstmal mindestens einen Tag Bewegung einzuschieben.

Als Kristiansand in Sicht kommt steht der Plan. Helle ist nur noch knapp 2h entfernt und wir haben da einen Klettersteig, der seit dem letzten Besuch 2016 auf uns wartet.

An der Grenze wird nochmal das Zertifikat kontrolliert. Offenbar trauen die Norweger den Dänen da nicht. Im Land angekommen ist dafür anscheinend Covid kein Thema. Als wir im ersten Supermarkt noch einkaufen, trägt keiner eine Maske. Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.
Direkt hinter Kristiansand kommt noch etwas Industrie, dann sind wir mitten drin im fantastischen Berg und Wasserland und das bei Sonnenschein. 2016 wurden wir mit Temperatursturz und Regen begrüßt, heute sind wir allerdings herzlich willkommen!

Auch Apple weiß um die Schönheit Norwegens und schickt den Bilderdienst.

Ich stelle fest, dass ich diese Landschaft sehr vermisst habe und freue mich auf spannende Erlebnisse.
In Helle angekommen finden wir erstmal ein schönes Fleckchen und danach die Rezeption. Damit hatten wir uns letztesmal schon schwergetan😁

Das ist die Wand mit dem Klettersteig. Der Betreiber ist sich sicher dass Ute da raufkommt, ich denke da hat er recht. Jetzt muss nur noch Ute davon überzeugt werden 😎
Am Hafen wird neben Personalausweis auch das Impfzertifikat geprüft. Wir bekommen zwei Anhänger für den Rückspiegel: Einer für den Zielhafen Kristiansand, und einer für gültige COVID-Zertifikate.

So gerüstet gelangen wir problemlos auf die Fähre. Nach der stürmischen Nacht hatten wir schon eine unruhige Fahrt erwartet aber das erweist sich als unbegründet. Die guten 3h mit ColorLine (Dass Fjordline eine Stunde schneller ist haben wir zu spät erkannt) verbringen wir auf dem Deck am Heck in der Sonne und an der frischen Luft. Etwas Cola und Chips aus dem Duty Free Shop bekämpfen das kleine Loch im Magen, es ist mittlerweile schon Mittag geworden.

Die schnellere Katamaranfähre, so vermuten wir, hat warscheinlich kein so großes Deck, jedenfalls war das auf dem Modell dass nach Irland fährt so. Insofern ist die Stunde mehr an Überfahrt in Corona Zeiten warscheinlich gut investiert.
Um 8 klingelt der Wecker, so gegen 11 sollten wir an der Fähre sein. Wir drehen uns nochmal um. Um halb 9 bauen wir wieder den Bus um und machen das Frühstück.
Draußen pfeift der Wind, das Meer ist deutlich unruhiger als gestern Abend.

Sand im Müsli mögen wir beide nicht, und so bleiben wir im Bus, aber immerhin mit dem aus dem Reisekatalog bekannten „seitlichen Meerblick“ und offener Tür. Die knirscht jetzt hörbar.
Wir machen uns auf den Weg zum Hafen. Eine halbe Stunde fahren wir durch einen wirklich schönen Teil von Dänemark. Beim letzten Mal sind wir auf dem Rückweg nach der Fähre zu weit nach Süden gefahren. Das hatte uns gar nicht gefallen, aber hier kann man durchaus für den Rückweg noch einen Stopp einplanen. Mal sehen, planen tun wir im Moment eher nicht, wir fahren einfach drauflos und schauen mal was sich am Wegesrand so anbietet😁
Nach dem Abendessen schauen wir noch etwas auf‘s Meer, dann klappen wir das Dach auf und machen das Bett für die Nacht bereit. Direkt steigt die Lautstärke als der Wind anfängt mit dem Dachzelt zu spielen.
Es flattert schon deutlich und der Bus wird immer mal wieder geschüttelt, aber wir hatten schon schlimmeres. Um etwa 3 Uhr gibt Ute auf, sie macht bei dem stärker werdenden Wind kein Auge zu. Wir ziehen um in‘s Untergeschoss.
Einmal alles umräumen, Bank vor, Lehne zurück, Dach zu und es herrscht Ruhe. Den Rest der Nacht schlafen wir beide.
Ute hat uns für die Nacht vor der Fähre einen Platz am Strand ausgesucht. Ein gewisser Volker14 hat den Platz grad heute bewertet und schreibt dass er „noch“ alleine ist. Wir fürchten dass der Platz voll ist bis wir da sind.

Die Sorge ist unbegründet. Nur ein Auto mit Dachzelt steht auf dem Platz und wir sagen Volker Hallo. Er ist auch auf dem Weg nach Norwegen. Wir tauschen kurz die Reiseziele aus und quatschten etwas, dann noch kurz runter zum Meer.

Als der Magen vernehmlich nach einer Füllung verlangt, setzen wir schnell das Nudelwasser auf und 9 Minuten später gibt es Spaghetti con Vista.

Nebenan kämpft Volker mit seinem Dachzelt und der Mini Drohne. Wir genießen Pasta und Wein. Mal schauen ob es uns gleich das Aufstelldach wegpustet 😬

Während unserer Lofotentour haben wir ja schmerzhaft gelernt dass man tunlichst nicht nur Kilometer fressen sollte, sondern auch zwischendurch mal irgendwo ankommen muss.
So haben wir uns noch einen zweiten alten Cache rausgesucht, nah an der Strecke und mit einem knappen Kilometer zum hinwandern.
Auf der Karte sah das Gelände merkwürdig aus, mit sehr verschlungenen und viel zu dichten Wegen. Ich erwartete eine Moorlandschaft oder was Ähnliches.
Wir fanden uns in der dänischen Version eines Mountainbike Trailcenters wieder. Reichlich schön angelegte kurvige Singletrails schlängeln sich durch ein Waldgebiet und alle paar Sekunden zischt ein sportlich gekleideter Däne auf einem MTB vom Feinsten vorbei.
Nun sind die Erhebungen in Dänemark bekanntermaßen eher nicht so imposant. Das ist hier auch der Fall. Die vollgefederten Bikes und ihre sportlichen Fahrer wirken angesichts der Höhendofferenz von etwa 30m etwas overdressed und overequipped.

Wir schaffen es ohne Zusammenstoß bis zum Cache und genießen den Spaziergang an der Luft die schon langsam nach Meer zu duften beginnt.

„Bergab“ immer ein Auge nach hinten haben, ob da ein Bike angeschossen kommt, so erreichen wir wohlbehalten den Bus und nehmen die letzten 40 Minuten bis zum Stand in Angriff.
Heute Morgen fuhr Ute auf der Rückbank mit und meinte dass das da ziemlich laut ist und wummert. Kurz vor Hamburg ist der Tank leer, Stau und ein Reifendienst beheimatet. Einen alten Geocache gibt es auch noch und so fahren wir ab, am Stau vorbei zum Reifendienst. Der nette Mitarbeiter schaut sich das an und diagnostiziert einen Sägezahn. Der Reifen ist ungleichmäßig abgefahren und weist ein Sägezahnprofil auf der Lauffläche auf. Das ist laut und wummert, macht aber sonst nichts. Wir fahren beruhigt zur Tanke und freuen uns über einen recht guten Verbrauch von 7,45L/100km. Bevor es wieder auf die Autobahn geht, besuchen wir noch den alten Cache von 2003. Da steigen grad Bauarbeiter aus ihrem Bus, schmeißen sich in Sicherheitsweste, setzen den Helm auf und schlendern genau da hin wo wir suchen wollen. Prima. Nach 5 Minuten ziehen sie weiter und wir schlagen schnell zu😁

Das Döschen ist direkt vor einer Trafostation versteckt und trägt passend dazu seinen Namen: Hochspannung😁 Dann geht‘s weiter und Ute freut sich über den Blick auf den Hamburger Hafen.

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