Das Saarpolygon

Bei unserem letzten Trip in Richtung Dünkirchen hatten wir mal neben der Autobahn ein merkwürdiges Objekt erspäht und die Stelle in der Karte markiert.

Als wir heute das Teil wieder sehen fahren wir spontan ab und fahren hin.

Hier hat man sich am Tetraeder in Bottrop bedient und eine begehbare Skulptur auf die Halde gestellt. Google routed mal wieder über gesperrte Strassen. Wir parken und machen uns zu Fuß auf in Richtung Gipfel.

Direttissima

Wenn es eine direkte Möglichkeit gibt, dann zieht mich das magisch an. Das bekamen schon die Kollegen beim Canyoning letzte Woche zu spüren 😬 Heute trifft es Ute. Steil bergan auf Schotterweg. Nachteil: steil, Vorteil: schnell.

Zum Glück weht ein kühler Wind, und der Fahrtwind durch das schnelle vorankommen hilft auch 😎

Saarpolygon

Aus der Mondlandschaft oben ragt die Skulptur wie ein Alien hervor. 28m hoch und bizarr geformt.

Wir gehen erstmal nach oben und suchen die Dose, klar dass da eine ist 😁

Top Aussicht

Auf dem Weg runter studieren wir die Struktur.

Die Polygone die ich so kenne, sind irgendwie anders, und vor allem zweidimensional. Betrachtet man dieses Teil allerdings aus verschiedenen Winkeln wird klar warum es so heißt. Poly heißt ja viel(seitig).

Die Skulptur zeigt sich tatsächlich sehr vielseitig. Ich bin sehr dafür hier ein Shooting zu inszenieren. Ute am Seil von der Brücke runter hängen, schönes Kleidchen an, sollte was hergeben. Ute ist nicht direkt begeistert. Wir arbeiten dran. Zunächst mal scheitert der Plan am fehlenden Kleid. Für die schottischen Highlands ist keins vorgesehen und ergo nicht an Bord 😵‍💫

Wir suchen uns noch ein Picknickplätzchen an der nahen Saar und futtern was. Heute müssen wir noch nach Dünkirchen, die Fähre fährt morgen früh. So können wir in aller Ruhe ohne Hetzte fahren und uns ein schönes Plätzchen vor dem Hafen suchen.

Was ist unter‘m Schottenrock?

Diese Frage quält uns schon lange und nun ist es an der Zeit, das herausgefunden.

Wir starten gen Norden und werden vor Ort versuchen das herauszufinden.

Von Irland aus konnte man zwar rüberschauen, aber der Blickwinkel war ungünstig und wir konnten nicht unter die Röcke blicken.

Erster Stopp nach dem Bäcker ist die Tankstelle. 1€ investieren wir in den korrekten Luftdruck, wir müssen wohl noch von den Schotten lernen. Das kann man ja bestimmt auch irgendwie sparen.

Am Diesel können wir auch nicht sparen, aber das Thema ist ja ein Dauerthema ohne Aussicht auf Lösung. Immerhin sparen wir auf dem Weg. Wir fahren nach Dünkirchen statt Calais und sparen uns die 52€ Maut durch Frankreich😁

Doch noch Regen

Um 6 Uhr kracht der Donner und schüttelt den Bus, dazu regnet es. Jetzt hat uns der Regen doch noch eingeholt.

Neben uns hat noch ein Bus geparkt. Ein echter. Sieht jedenfalls aus wie ein zum Reisemobil umgebauter Bus. Modell Palace – Understatement ist das nicht. So nebeneinander kommen wir uns ziemlich klein vor.

Frühstück am Strand fällt leider aus. Immerhin ein Spaziergang zur Elbinsel ist drin. Ein Containerschiff gibt‘s auch zu sehen.

Dann packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Hier kommen wir mal bei schönem Wetter wieder vorbei.

Odyssee

Frühstück hat den Namen heute verdient. Bei Sonnenaufgang sitzen wir auf dem Felsenstrand mit einer Tasse Kaffee und Honigbroten.

Frühstück am Meer

Viel Zeit haben wir nicht, die Fähre wartet nicht. Sie startet sogar 10 Minuten eher, mit uns an Bord. Hinter uns nur noch 2 andere.

Diesmal nehmen wir die Schnellfähre. Mit Jetantrieb und mit 70 km/h verlassen wir Norwegen.

Winke Winke Norwegen

Die eingesparte Stunde auf der Fähre investieren wir in einen Cache an der Dänischen Küste. Kleine Wanderung durch einen Kiefernwald. Am Ziel ein kleiner Aussichtsturm und herrliches Wetter.

Wald
See
knorrige Gewächse

Aber wir wollen ja noch weiter. Irgendwo an einer Raststätte gibt‘s Dänische Würstchen im Speckmantel mit Pommes. Kommt nicht ganz an der Burger von Gestern ran, aber sättigt.

Der Plan war eigentlich bis an die Elbe zu fahren und am Nachmittag den dicken Pötten beim vorbeischippern zuzusehen. An der Fähre in Glückstadt ist irgendwas kaputt, lange Schlange, nichts geht und ne Menge LKW‘s vor uns.

Sonnenuntergang beim Warten…

Als wir endlich auf der Fähre sind ist die Sonne längst untergegangen.

Fähre in‘s Abendrot

Wir fahren noch bis Krautsand. Der Stellplatz soll Sicht auf die Pötte erlauben. Stattdessen stehen wir vor einer grünen Wand aus Gestrüpp, sehen nichts, aber hören satte Bässe aus irgendeinem Ghettoblaster. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Zum Abschluss leider nochmal ein Griff in‘s Klo.

Langsam

Langsam geht der Urlaub zu Ende. Wir schlafen au und frühstücken mit Blick auf den Wasserfall. Es sieht nicht nach viel Wasser aus, Vergleichsbilder aus dem Internet zeigen deutlich mehr Wasser. Dieses Jahr ist wirklich extrem trocken. Auch dass wir seit fast drei Wochen so gut wie keinen Regen hatten ist für Norwegen sehr unüblich. Die Otra im Setesdal hat auch einen Wasserstand, der etwa 1m unter dem normalen Pegel liegt, wie man an den Steinen am Rand unschwer erkennen kann.

Rinnsal
Otra mit Niedrigwasser

Langsam machen wir uns auf in Richtung Hafen, denn eigentlich wollen wir gar nicht weg.

Wir halten immer mal wieder an und suchen einen Cache oder zwei. Dabei entdeckt man so manche interessante Sachen.

Alte Schleuse
Stalaktiten

Und auch den Dicken kann man ab und an in Szene setzen.

Bus vor Berg

In Efje wird noch etwas geshoppt, aber nur Ute ergattert eine Jacke. Immerhin finden wir auch eine lustige Skulptur, die aber auch dableiben muss.

So lässt es sich aushalten…

Für den Abend haben wir ein schönes Fleckchen am Meer gefunden, am Steinstrand vor Kristiansand gibt es erst ne schöne Aussicht.

Dann sind endlich die Burger dran. Wir schleppen den Grill durch die Botanik und bauen einen saftigen Burger am Strand zusammen.

Burger mit Aussicht

Der Aufwand lohnt sich, finden wir.

Mobile Küche Marke KA-OS

Den Sonnenuntergang verfolgen wir gespannt. Also untenrum, knapp über dem Gürtel. Da spannt es.

So kann man unmöglich schlafen. Wir suchen noch zwei Caches und marschieren dazu 5km die Küste lang, leider großteils an der Straße. Aber es lohnt sich. Wir entdecken noch ne schöne Ecke und Latschen mitten durch eine Art Zeltlager. Man grüßt freundlich mit Hej und dann sind wir auch schon durch. Das scheint hier eine Art Küstenpark zu sein mit fest installierten Nachtlagern. Interessantes Konzept. Tolle Aussicht am Abend inclusive.

Jetzt aber Augen zu, um 8:30 geht die Fähre morgen!

Von Höhen und Tiefen

Der schöne Abend mit dem Conte die Campiano nahm ein jähes Ende, aber am nächsten Morgen ist alles gut. Ute ist sich nicht sicher, was heute geht oder nicht geht, aber das lassen wir jetzt erstmal so stehen.

Gemütliches Frühstück, die Reste vom Vorabend wegspülen und zusammenpacken. Ich schreibe noch den Blog weiter und schweren Herzens buchen wir die Fähre zurück. Die Tage sind mal wieder gezählt.

Bis wir startklar sind, ist es fast 2. Wir kaufen noch ein und fahren zum Løfjell. Wir wollen noch etwas klettern. Den Vormittag habe ich genutzt, um nach einer geeigneten Mehrseillänge zu suchen und bin wieder am Løfjell hängengeblieben. 2 Sektoren weiter rechts von der Nähmaschine werde ich fündig. Diesmal wird es literarisch, die Route heißt Moby Dick im Grad 4+, nach oben geht es mit 5 weiter.

Der Zustieg ist bekannt, aber nicht kürzer als letztesmal. Im Gegenteil: Um in den neuen Sektor zu kommen, müssen wir uns noch etwas durch den Busch schlagen. Ich begebe mich an den Vorstieg der ersten Seillänge. Auf dem Bild im Kletterführer sah es nach klassischer Kletterei aus, vor Ort entpuppt es sich als ziemliche Reibungsplatte. Na Mahlzeit, das war letztesmal gar nicht Ute‘s Ding. Aber ich sag mal nichts. Der erste Stand ist dafür vorzüglich. Schön viel Platz und nicht zu exponiert. Könnte klappen!

Auf geht‘s!

Das Training gestern auf der Riesenplatte hat sich ausgezahlt! Ute klettert die 4+ er Platte mit Geschick und dem nötigen Biss sauber durch!

Wahnsinn! Was für ein Fortschritt! Breites Strahlen am Stand😁

1. Stand nach 35m in 4+

Probieren wir noch weiterzugehen? Ute ist einverstanden, der Stand ist genehm, sie sichert mich für den Vorstieg und überlegt sich dann, ob sie nachsteigt.

Stellt sich nur die Frage: Wo geht‘s weiter? Das Buch liegt unten und ich bin mir nicht mehr sicher, wie es genau weitergeht. Erreichbar sind eine Menge Haken, rechts und links. Es gibt hier wahnsinnig viele gut durchgesicherte Routen. Ich such mir dann mal was aus. Diesmal wird es etwas klassischer mit einer kurzen Zitterpartie zwischendrin. Der Stand ist nicht ganz so komfortabel, mal sehen was Ute dazu sagt, wenn sie denn nachkommt?

Die Antwort von unten: Ja, sie will es versuchen. Coole Sache!

Auf geht‘s in die 2. Etappe…

Auch das klappt. Der Tiefblick unterwegs ist möglich und wird ausgekostet, Biss und Wille stärker als alle Zweifel. Wenn‘s so nicht geht, dann eben anders. Tritte variieren, Gewicht verlagern und es dann schaffen. Das ist es, was Klettern zu so einem bestätigungsreichen Sport macht.

2. Stand nach weiteren 25-30m in irgendwas zwischen 4+ und 5+ Grad

Zu zweit in etwa 60m Höhe in der Wand zu stehen, mit dem Setesdal zu Füßen und zu wissen, da ist man selbst und im Team soeben hochgeklettert, das hat schon was. Können wir in jedem Fall empfehlen👍🏻

Abseilen von da oben ist dann das Sahnehäubchen, und auch Ute kann das jetzt genießen. Mit Können und Erfahrung schwindet die Angst, sie hat Ihren Zweck erfüllt und dafür gesorgt, dass man sich vorsichtig an Neues wagt.

Bei solchen Unternehmungen reduziert sich die Wahrnehmung auf das, was gerade wirklich wichtig ist. Verbrannte Arme und was einen sonst so beschäftigt, gehört nicht dazu. Das ist ein weiterer Aspekt, den ich beim Klettern so schätze.

An was wir auch nicht gedacht haben, ist die Zeit. Abstieg und ab dafür! Wir schwelgen noch in der Erfahrung so lange wir runterlaufen und diskutieren dann welchen Zeltplatz wir anfahren. Ute will nach Helle und am Wasser stehen, ich plädiere für einen anderen Platz. Öfter mal was Neues😜. Da ich am Steuer sitze, probieren wir was Neues.

20 Minuten hinter Helle werden wir fündig. Ein Platz am Wasserfall mit Thai Imbiss. Klingt gut. Wasserfälle hatten wir noch nicht so ausgiebig wie 2016.

Sitzplatz mit Aussicht

Eigentlich wollten wir heute Burger braten, aber Thai kommt uns grad recht. Nach so einer scharfen Erfahrung braucht auch das Essen etwas Schärfe 🌶.

Guten Appetit vor dem Real Live Fernseher 😎

Kipp-Punkte

Es ist schon nach sieben Uhr, einen Campingplatz wollen wir nicht mehr ansteuern, nur für eine Nacht lohnt sich das nicht, wenn es schon so spät ist. Wir finden einen Schotterparkplatz an der Straße. Nicht so schön, aber es ist eh bald dunkel und zu kalt, um draußen zu essen und etwas von einer schöneren Umgebung zu haben.

Ute hat einen neuen Lieferanten für Dosenessen ausgemacht und wir wollen die Rouladen testen. Die Rouladen von Metzger Pfeil waren ernüchternd klein, die neue Dose macht mehr her. Auch der Inhalt sieht nach zwei ganzen Rouladen aus. Klein zwar, aber geht als Roulade durch. Dose auf und riecht gleich lecker ist ein weiterer Pluspunkt.

Dazu soll es Reis geben und Dosengemüse. Viele norwegische Bezeichnungen kann man schnell einem deutschen Wort zuordnen. Epler sind beispielsweise? Richtig! Äpfel.

Erter og gulrøtter ist nicht ganz so leicht zu erraten, aber wenn man weiß was es ist, macht es schon Sinn 😁

Jetzt haben wir nur ein Problem. Wie bekommen wir alles zeitgleich heiss, ohne es schon vorab zu vermengen? Unser Herd hat 2 Flammen, und der dritte Topf ist viel zu groß. Es hätte bestimmt eine akzeptable Lösung gegeben, aber wir haben ja noch den mobilen Gaskocher für die Zeltexkursionen dabei!

Die Zubereitung klappt wunderbar, und wir haben ein fürstliches Menü auf dem Tisch. Dazu laden wir natürlich auch den Conte di Campiano ein!

Das war wirklich nötig und wir fühlen uns fast ganz rund. Im positiven Sinne. Genug Wein, genug essen, rund eben. Aber es fehlt noch die Füllung für den süßen Zahn. Wir haben noch ein Stück Eplekake, dazu kochen wir einen Kaffee.

Wir nähern uns der vollkommen Rundung und erreichen einen Kipp-Punkt. Eine Tasse heißen Kaffee‘s kippt um und läuft Ute über Arm und Bein. Großes Geschrei und ich brauche eine gefühlte Ewigkeit, um durch den adeligen Schleier aus Rotwein zu realisieren, dass das nicht nur der Schreck ist. Von jetzt auf gleich bin ich nüchtern und wir setzen die erste Hilfe Maßnahmen um. Wir haben eine Verbrennung ersten Grades am Arm, das Bein ist zum Glück nicht zu heiss geworden. Kühlen und dann steril abdecken. Die Spezialpflaster für Verbrennungen sind viel zu klein, eine Kompresse muss herhalten. Als der erste Schreck überwunden ist, sortieren wir die Analgetika. Sollte es nötig sein, haben wir alles dabei, was für so einen Fall empfohlen wird. So vorbereitet ist es Zeit für‘s Bett. Die Verbrennung wirft keine Blasen, mehr können wir jetzt erstmal nicht tun. Ibu ermöglicht einen guten Schlaf.

Den nächsten Kipp-Punkt erreichen wir in der Nacht. Gegen 4 Uhr hören wir komische Geräusche um den Bus herum. Als würde irgendjemand oder irgendetwas sehr schnell und laut hin und her rennen. Die Anspannung kippt sehr schnell, als wir die Geräuschquelle sehen.

Ein junger Fuchs versucht uns anscheinend zum Spiel zu animieren, oder absolviert eine Mutprobe.

Er hockt am Waldrand und rennt dann wie abgestochen auf den Bus zu, nah dran vorbei und wartet dann kurz am Waldrand auf eine Reaktion. Dann geht‘s wieder zurück. Wir grinsen und legen uns wieder hin. Der verbrannte Arm hat sich etwas beruhigt und wir kommen ohne weitere Schmerzmittel aus. Ein paarmal hören wir den kleinen noch hin und herflitzen, dann wird es ihm wohl zu langweilig und wir haben den Rest der Nacht Ruhe. Aufregung hatten wir heute definitiv genug.

Unverhofftes Highlight

Der Tag startet kalt. Wir wachen auf, knapp unter den Wolken. Kurz regnet es, erstmalig tagsüber seit 2 Wochen. Das erste Frühstück mit Standheizung folgt.

Die für heute angedachte Wanderung dürfte uns direkt in die Wolken führen und von den versprochenen grandiosen Ausblicken würden wir im Nebel herumirrend nichts sehen. Plan B muss her. Erstmal weiter in Richtung Süden und schauen was am am Weg liegt.

Das Bergsträsschen müssen wir also erstmal unverrichteter Dinge zurückfahren. Immerhin hatten wir eine zwar kalte, aber auch sehr ruhige Nacht.

Kurz bevor wir in‘s Setesdal einfahren sehen wir einen Hinweis auf eine Sehenswürdigkeit am Straßenrand und halten kurzentschlossen an. Byklestiegen klingt irgendwie interessant.

Am Parkplatz erfahren wir auf einer Infotafel dass hier der alte Pfad vom Setesdal rauf nach Bykle restauriert wurde. Bevor die Straße und der Tunnel gebaut wurden, gab es hier nur einen recht gefährlichen, steilen Pfad oberhalb des Flusses Otra mit einer 30cm Engstelle. Man könne vielleicht noch die Schreie derjenigen verhallen hören, die vom Pfad in die Otra stürzten und ertranken.

Die Engstelle wurde schon vor langer Zeit gesprengt und viel ist vom ursprünglichen, ganz alten Pfad nicht übrig. Aber es gibt eine schöne Aussicht in‘s Tal Richtung Bykle.

Die Hütte am Parkplatz wo man den Bus erkennen kann, steht übrigens zum Verkauf😁

Dazu alte Zeichnungen wie es hier früher zuging als man sogar Pferde über den Pfad bugsierte. Einer führte vorne und einer hielt den Schweif, so ging es über abenteuerliche steile Planken und schmale Pfade. Für uns wurden indes Treppen gebaut, so kommen wir schnell wieder zum Bus.

Zurück gehen wir die alte Straße an der Otra, die mit dem Tunnel überflüssig wurde. Durch die Stauung hat der Fluss sicher auch einiges an Turbulenz eingebüßt, die hier früher die unglücklich aus dem Steig gestürzten hinfortriss.

Inzwischen ist es früher Nachmittag und es stellt sich die Frage, was wir noch machen mit dem Rest des Tages. Ute findet in der Nähe eine Rother Wanderung, 3h45 lang, das wird zwar knapp aber sollte noch klappen. Wir fahren zum Parkplatz.

Den ersten Kilometer wandern wir die Straße lang, die wir gerade hergefahren sind. Der Rother nennt es „kurz“. Ich mosere schonmal rum. Da muss ja noch einiges kommen, dass sich so eine blöde Strecke an der Straße lang lohnt.

Was kommt, beschreibt der Rother als „von Anfang an ein Idyll“. Die Landschaft ist ein Idyll, keine Frage. Es ist aber auch ein mooriges Feuchtgebiet. Es schmatzt immer wieder unter den Füßen und immer wieder sind Matschtümpel und kleine Bäche zu queren. Die eben getrockneten Schuhe sind direkt wieder nass.

Der zweite Wegpunkte der Tour ist der Kyrelitjønn See, hier ist sogar eine Brücke eingezeichnet.

Die Brücke ist wohl nicht ganz fertig geworden.

Ich frage mich mal wieder, was da noch kommen soll, die Hälfte der Strecke ist inzwischen abgewandert. Es dauert allerdings noch bis zum letzten Viertel bis sich zeigt, weswegen sich das alles lohnt.

Los geht es mit einer Blockhalde. Das ist doch schonmal was.

Dahinter zeigt sich eine riesige Felsplatte und man fragt sich jetzt schon, wie es da wohl raufgeht. Interessant. Könnte gut werden.

Blockhaldenqueen Ute in Ihrem Element

Nachdem die Blockhalde gemeistert ist, zeigt sich die nächste Aufgabe. Die Platte. Schräges Geläuf.

Aber es gibt hier einen Riss, der den perfekten Aufstieg bietet. Quasi eine Treppe mit Handlauf. Stellenweise.

Die Platte ist meist so geneigt, dass man auch neben der „Treppe“ laufen kann. Der Fels ist sehr griffig, aber man läuft dann eben auf einer riesigen, recht stark geneigten Fläche die sich in einen Abgrund wölbt. Der Rother beschreibt das treffend mit „einem gewissen Nervenkitzel“ der dem Preikestølen in nichts nachsteht. Da muss ich zustimmen. Und der Riesenvorteil: Man hat den Spaß hier ganz allein für sich. Kein multinationaler Treck, kein Stockgeklapper, kein Schlangestehen. Nur feinste Landschaft und Nervenkitzel. 1A.

Die Platte, die Neigung, der Abgrund.

Nach der Platte kommt nochmal etwas blockiges Terrain und auch die Platte setzt sich fort, nach rechts und links nimmt der Sattel das luftige Feeling des Aufstiegs. Dafür bläst nun eine Menge sehr kalter Luft über den Sattel und wir ziehen lieber noch eine Jacke an.

Am Gipfel präsentiert sich das ganze Panorama als Sahnehäubchen der Tour.

Allzu lang genießen wir es nicht. Es ist sehr zugig und kalt, die Zeit ist etwas knapp. Wir müssen ja auch noch das ganze Stück zurück.

Hier zeigt sich eindrücklich dass es kein Nachteil ist wenn es den selben Weg zurück geht.

Die Platte ist bergab völlig anders und wieder richtig stark! Als klar ist, dass wir da ziemlich gut einfach runterlaufen können, tritt der Genuss endgültig hinter den Sorgen vor dem Abstieg hervor.

Am Fuße der Platte ist endgültig klar: Was für eine klasse Tour das war. Eine unscheinbare, kleine Halbtagestour, als Lückenfüller ausgesucht, entpuppt sich völlig unerwartet als echtes Highlight.

Nach dem Sport wird gedehnt, die nächste Blockhalde kann kommen.

Das Moor und den Matsch sehen wir jetzt auch als ein weiteres Puzzlestück, das eine abwechslungsreiche Tour ausmacht. Den letzten Kilometer an der Straße schaffen wir auch noch.

Plattengrinsen

Bergen

Das Wetter wird langsam aber sicher kühler und wir brechen auf nach Süden.

In Bergen wollen wir einen Stopp machen, das wollten wir immer mal besuchen. Wir kutschen also mal wieder durch Norwegen und kommen gegen Mittag in Bergen an. Geparkt wird per App, das funktioniert recht komfortabel.

Nach der Fahrerei suchen wir erstmal einen alten Cache in der Stadt und genießen die Aussicht auf den Hafen.

Auf dem Spaziergang durch die Stadt entdecken wir Kreuzfahrtpassagiere an ihren uniformen Jacken und Nummernaufkleber. Nicht dass da jemand ins Falsche Schiff gerät. Aber es gibt auch witzige Grafiti‘s. Da will wohl Jemand Banksy nacheifern. 😎

Die berühmte Fassade ist natürlich ein Muss. Leider ist eins der Häuser grad eingerüstet.

Als nächstes stärken wir uns erstmal mit Fish&Chips. Ute erwischt ein richtig dickes Stück.

Leider nicht perfekt durchgegart. Also das können die Engländer und Nordiren eindeutig besser.

Die berühmte Fassade hat auch dahinter einiges zu bieten.

Hauptsächlich aber Läden mit billigsten Souveniers und Menschenmassen. Wir sehen ein, dass wir grad nicht im Touristenmodus unterwegs sind und verkrümeln uns in die Aussenbezirke, zunächst in ein recht alternatives Café. Der Chef plaudert mit den Gästen und die Angestellten rotieren unorganisiert. Es dauert lange bis wir was bekommen. Das ist dann aber sehr lecker!

Jetzt haben wir es aber eilig zum Bus zu kommen, die Parkzeit läuft ab. Und wie gesagt, Grosstadttouristen wollen wir grad nicht sein.

Den Bus hätten wir hier aus Angst vor‘m Umkippen eher nicht geparkt🤣

Südlich von Bergen gibt es den ältesten Cache in Norwegen zu finden. Eine Bombenaussicht gibt‘s noch dazu.

Der Abstecher nach Bergen war ok, aber umgehauen hat es uns nicht, wir schauen dass wir noch weiter nach Süden kommen. Am Strassenrand kaufen wir eine Tüte Äpfel die uns auf dem Fahrt zum Sognefjord schon so angeleuchtet haben. Einer wird direkt verputzt. Sehr lecker!

Die Etappe hat eine Fähre dabei. Am Anleger müssen wir etwas warten, dann fotografiert jemand alle Nummernschilder und wir dürfen auffahren. Vor 5 Jahren wurde noch von Hand kassiert, jetzt rechnen sie vermutlich über die Maut ab.

Das Motorengeräusch der Fähre ist sehr anders und nichts vibriert. Am Anleger bestätigt sich der Verdacht. Das Teil fährt elektrisch! In der kurzen Zeit bis es wieder zurück geht, wird nachgeladen. Dazu wird der Lader vollautomatisch angedockt. Sieht ziemlich futuristisch aus.

Wir passieren wieder Odda und erhaschen kurz dahinter noch einen Blick auf den Gletscher im Restlicht des Tages.

Es wird schon wieder schneller dunkel als uns lieb ist denn wir sind mal wieder spät dran und die Übernachtungsplätze an denen wir vorbeikommen sind alle schon belegt. Kurz bevor es richtig dunkel ist, finden wir noch was an einem einsamen Bergsträsschen. Morgen wollen wir hier wandern, aber vermutlich wird hier morgen alles den Wolken sein. Mal sehen, oder auch eher mal nichts sehen 😬

Der verschwundene Pfad

Den Botnestølen hatten wir gestern erreicht, weiter über den Blåsvoda nach Tackle kamen wir aber nicht. Der Pfad war nicht mehr zu erkennen.

Für heute haben wir uns vorgenommen es von Takle aus zu versuchen.

Als wir aufstehen ist der Berg in den Wolken. So werden wir den Pfad nicht finden. Wir frühstücken erstmal und Ute spült ab und duscht. Dabei findet sie eine Zecke. Die sonst so gut funktionierenden Haken funktionieren nicht, das Tier ist hartnäckig. Mit Pinzette bekommen wir alles bis auf den Rüssel raus.

Bis wir startklar sind, haben sich auch die Wolken verzogen und wir laufen los.

Der Pfad ist auch hier unten ausgeschildert und gut erkennbar. Von Takle aus aber sehr viel trockener. Bisher keine Arschlochweg-Qualitäten, dafür tolle Moosberge.

Wir kommen zügig aus dem Wald und genießen die Aussicht auf den Sognefjord.

Auf halber Höhe gibt es auch hier wieder einen Steinturm.

Der Weg endet wieder bei einer verfallenen Hütte.

Und wieder finden wir eine antike Waschmaschine. Exakt identisches Modell wie auf der anderen Seite.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Eine Art Logbuch von Georeg.no. Dazu gehörte wohl auch das Schild unten am Einstieg: Ytst Taklestølen 8p. Das gab es gestern auch schon und wir hatten uns schon gefragt, was für eine Zeit- oder Entfernungsangabe 8 p wohl ist.

Die Webseite dazu gibt’s nur auf Norwegisch, wir übersetzen „Komme i gang“ intuitiv mit „den Arsch hochkriegen“ und zwar gegen Punkte. Natürlich haben wir uns eingetragen! Gestern auch und damit würde ich sagen: Germany bzw. Tyskland: 16 poeng!

Gestern gab’s schon 8 poeng

Diesmal geben wir hier aber nicht auf. 16 poeng sind uns nicht genug, wir wollen über den Berg. Nur weil da kein Weg ist muss man ja nicht umkehren! Wir kennen die andere Seite und wissen wo wir hinmüssen. Erstmal rauf auf den Gipfel und dann ungefähr da lang, wo der Weg auf der Karte eingezeichnet ist. Ich setze Zielmarken auf dem Navi und dann geht’s entlang der günstigsten Höhenliniendichte aufwärts. Ute meint zu wissen wohin das führen wird.

Erstmal führt es uns zu einem weiteren Steinhaufen.

Und dann zu einer weiteren Hüttenruine. Absolut irre was die hier früher aufgeschichtet haben.

2 Doppelhaushälften, renovierungsbedürftig
2 Zimmer und Einbauschrank, beste Aussicht!

Wir würden direkt einziehen, aber wir wollen ja den Weg über den Berg finden.

Hier oben pfeift ein kalter Wind, Jacke an und weiter.

Am Gipfelplateau gibt es eine imposante Quarzader mit schneeweißem feinsten Quarz.

Ute will ein Stück davon. Mit einem anderen Stein versucht sie etwas abzubrechen. Was bricht ist der andere Stein. Der Quarz bleibt oben.

Gipfelpanorama

Laut Karte müssen wir in Richtung Fjord absteigen, das macht auch von den Höhenlinien her Sinn. Es tut sich ein schöner Tiefblick auf, unser Campingplatz mit Bus ist auch zu sehen.

Unser Bus steht unten links der Mitte

Ute sieht einen Abgrund und fühlt sich bestätigt, dass uns das hier in‘s Verderben führt. Zunächst mal geht es aber sanft bergab.

Zur Beruhigung der Nerven gibt es eine Rast, Kekse und Studentenfutter. Ich studiere nochmal die Karte und das GPS. Sollte klappen.

Vor dem echten Abgrund drehen wir links ab und gelangen mit leichter Kletterei, über Aufmerksamkeit erforderndes, löchriges Terrain, in den von knorrigen Birken übersääten, von Schaftrails durchzogenen, grasigen und stellenweise sehr feuchten Hang. Den hatten wir gestern schon oberhalb der Hütte gesehen und wissen uns so halbwegs auf dem rechten Weg.

Ein See kommt in Sicht und wir wissen, dass gleich dahinter die Hütte steht. Von da kommen wir auf dem bestens markierten Arschlochweg von gestern wieder in‘s Tal.

Dem Verderben entronnen hat Ute wieder Augen für die Umgebung und entdeckt Ameisenhügel.

Davon gibt es hier oben eine ganz Menge. Ute dokumentiert sie alle. Ein neues Hobby?

Bei herrlichem Sonnenschein und weniger Nässe, hat auch der Arschlochweg seinen Schrecken verloren und ich setze mich gleich zweimal auf den Hosenboden. Ganz so trocken war es dann doch nicht überall.

Zur Feier des vermiedenen Verderbens, 640 Höhenmetern rauf und wieder runter, 6h Abenteuer und einem gefundenen Pfad gibt es Kaffee und ein gratis Stück vom optisch misslungenen, aber köstlichen Kuchen der Campingplatzbetreiberin.

Lange hält der nicht vor und wir haben ja noch die Pilze von gestern. Der Safari Chef muss wieder ran, aber der Wind ist inzwischen so lausig kalt, dass wir im Bus essen. Der Grill muss aber draußen bleiben. Damit er vom Bus aus besser bedienbar ist, darf er auf den Tisch.

Spiegelei mit Pilzen

Für uns wird es Zeit weiterzuziehen, für Morgen haben wir Bergen auf dem Plan.


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